Kunst als Anlage in der Wirtschaftskrise

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Auktionator Michael Ulbricht am Sonntag (18.10.2009) in Leipzig kurz vor einer Kunstauktion mit Werken von Picasso. In der Wirtschaftskrise gelten Kunstwerke als dauerhafte Werte.

Hamburg - Bei einer Wirtschaftskrise zählen handfeste Werte. Experten verzeichnen einen Anstieg des Interesses an alten Kunstwerken. Der Markt boomt.

In schwieriger Weltlage zählen gesicherte Werte: Dies scheint auch für das Ausstellungsprogramm der großen nationalen und internationalen Kunstmuseen im kommenden Jahr zu gelten. Neben den üblichen zahlreichen Präsentationen der Klassischen Moderne von Gauguin und Cezanne bis Picasso erleben die Großmeister der alten Kunst Italiens im Jahr 2010 weltweit eine überraschende Renaissance.

Nach der großen Botticelli-Schau in Frankfurt (bis 28. Februar) lockt das Britische Museum mit 100 Meisterzeichnungen von “Fra Angelico to Leonardo“ an die Themse. Auch die Wiener Albertina bereitet zur Eröffnung am 8. Oktober eine Schau mit rund 100 der schönsten Zeichnungen Leonardos vor, die aus aller Welt geliehen worden sind. Den Favoriten der Medici, den Meister des Manierismus Bronzino, präsentiert das Metropolitan Museum in New York mit teils nie gezeigten Zeichnungen.

Den 400. Todestag Caravaggios begeht Rom mit einer großen Gemäldeschau, zu der 30 Bilder aus dem schmalen Lebenswerk des “Dramatikers“ der Barockmalerei ab 18. Februar bis 13. Juni in der “Ewigen Stadt“ gastieren. Freunde der Baukunst sollten sich nicht nur die Architektur- Biennale von Venedig (ab 29. August) vormerken. Schon am 30. Januar eröffnet in Essen der von dem britischen Stararchitekten David Chipperfield in nobler Kargheit konzipierte Neubau des Museums Folkwang, das damit einen bemerkenswerten “Aufschlag“ für das Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt im Ruhrgebiet gibt.

Restaurierung von NS zerstörten Kunstwerken

Als erste Sonderausstellung soll dort ab 20. März die Geschichte der bedeutenden Folkwang-Sammlung vor 1933 rekonstruiert werden. Dazu werden zahlreiche vom NS-Regime verbannte Kunstwerke erstmals wieder in Essen zu sehen sein. Eine wahre kulturpolitische “Revolution“ in der nationalen Museumsszene löste die “Kulturhauptstadt“ im Ruhrgebiet aus, wo sich erstmals mehr als ein Dutzend Museen zum gemeinsamen Ausstellungsprojekt “Mapping the Region“ zusammengeschlossen haben.

Nach Um- und Neubau der Kunstsammlung NRW im nahen Düsseldorf bilanziert die renommierte Landesgalerie (ab 11. September) unter dem Titel “Parallelprozesse“ das Schaffen von Joseph Beuys. Auch originelle Themenausstellungen locken das Publikum: Das Rijksmuseum Amsterdam zeigt deftige barocke Kneipenszenen (bis 1. März), und im Pariser Musée d'Orsay geht es ab 15. März um “Verbrechen und Strafe“ in der Kunst von Delacroix und Degas bis Lautrec und Picasso. Das Deutsche Historische Museum in Berlin untersucht mit der Schau “Macht zeigen“ ab 19. Februar, wie die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft Kunst zur Inszenierung ihrer Position einsetzen. “Vom Techtelmechtel bis zur Katastrophe“ untertitelt das Sprengel Museum in Hannover seine Schau, die sich mit Werken von Chagall bis Warhol dem kniffligen Thema Liebe widmet.

Magnet als Publikumsliebling

Die Moderne als Magnet der Besuchergunst steht allenthalben im Rampenlicht: Frida Kahlo, Kunstikone des Feminismus, gastiert ab Ende April mit teils verschollen geglaubten Werken im Berliner Gropius- Bau. Das Van Gogh Museum in Amsterdam beschreibt vom 19. Februar an Gauguins “Durchbruch zur Moderne“, das Duisburger Lehmbruck-Museum untersucht motivisch Giacomettis Skulptur “Frau auf dem Wagen“. Im Gemeindemuseum Den Haag geht es um den “Blauen Reiter“, der ab 31.- Oktober auch in Wiesbadens Kunsthalle zu Gast ist. Die Frankfurter Kunsthalle Schirn setzt auf die Franzosen Seurat und Courbet, Madrid (Museum Thyssen-Bornemisza ab 23. Februar) auf Monet und Kirchners Gesamtwerk breitet das Städel in der Main-Metropole mit 170 Werken in einer seltenen Retrospektive aus.

Zeitgenössische Kunst in Paris

Profiliert Zeitgenössisches bietet das Centre Pompidou in Paris mit einer Schau des 87-jährigen britischen Malers Freud (ab 10. März) und Hamburgs Kunsthalle mit der Schau “Pop Life“ (ab 12. Februar), in der 300 Werke unter anderem von Koons und Hirst zu sehen sind. Die Fondation Beyeler bei Basel feiert den 50. Geburtstag des New Yorker Ex-Undergroundkünstlers Basquiat (ab 9. Mai), und New Yorks Museum of Modern Art präsentiert vom 14. März an die profilierte Performance- Künstlerin Marina Abramovic. Das Königin-Sofia-Museum in Madrid bereitet gemeinsam mit der Bonner Bundeskunsthalle (ab 15. Juli) dem eigenwilligen Düsseldorfer Bildhauer Schütte einen Doppel-Auftritt.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Staatlichen Museen zu Berlin und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München gestalten zur Eröffnung des National Museum of China in Peking die Schau “Die Kunst der Aufklärung“ (ab September). Die Dresdner Galerie Neue Meister zeigt im sanierten Albertinum als erstes Museum in Europa die neuesten Arbeiten des Fotografen Jeff Wall (ab 18. Juni). In Kooperation mit Mauritshuis Den Haag/NG of Scotland, Edinburgh ist in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister “Der frühe Vermeer“ (ab 3. September) zu sehen. Das Leipziger Museum der bildenden Künste gibt mit “Neo Rauch. Begleiter“ (ab 18. April) zum 50. Geburtstag des Künstlers einen Überblick der Gemälde von 1993 bis 2010. Dem Maler des deutschen Informel, Gerhard Hoehme, ist eine Ausstellung (ab 14. März) in den Chemnitzer Kunstsammlungen gewidmet.

dpa

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