Mahnmal: UN verantwortlich für Massaker von Srebrenica

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Der Künstler beim Auftürmen des Schuhbergs vor dem Brandenburger Tor.

Sarajevo - Über 16.000 Schuhe hat Phillip Ruch vor dem Brandenburger Tor zu einem Berg aufgetürmt. Auf der Spitze des Schuhbergs prangt das UN-Logo.

Jedes Schuhpaar steht für eines der Opfer des schlimmsten Massenmords in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der deutsche Aktionskünstler erwartet, dass es zu kontroversen Debatten kommen werde. Das Projekt sei als Mahnung an alle Mitarbeiter der UN gedacht, niemals wieder tatenlos zuzusehen, wenn sich ein Völkermord vollziehe.

Ruchs Mahnung bezieht sich auf die UN-Friedenstruppen in Srebrenica, die das Massaker während des Bosnienkriegs nicht verhinderten. Die Vereinten Nationen hatten die rund 90 Kilometer nordöstlich von Sarajevo gelegene Stadt zur Schutzzone erklärt. Die niederländischen Blauhelmsoldaten in der Stadt hatten aber weder die Waffen noch das Mandat, die Stadt vor dem Angriff der bosnisch-serbischen Truppen zu schützen. UN-Kommandeure forderten Luftunterstützung an, die jedoch ausblieb - Srebrenica fiel. Tausende Einwohner flüchteten sich auf das UN-Gelände, von wo die Serben aber später die Menschen abführen durften, nachdem ihr General Ratko Mladic versichert hatte, ihnen werde nichts geschehen. Kurz danach begann das Massaker. Als geistiger Urheber des Mordens muss sich der damalige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verantworten. Mladic ist weiter flüchtig.

Am Sonntag jährt sich das Massaker zum 15. Mal. Am 11. Juli 1995 wurden in der UN-Schutzzone mehr als 8.000 muslimische Männer und Jugendliche von bosnisch-serbischen Truppen ermordet. In Srebrenica soll das Mahnmal mit dem Namen “Pfeiler der Schande“ im kommenden Jahr fertiggestellt werden. Die Schuhe werden dann in Stacheldraht eingewickelt und zu acht Meter hohen Buchstaben aufgetürmt.

apn

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