"Behörden-Willkür" und Amtsschimmel

Hier schlug die Bürokratie-Keule bei uns zu

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Symbolbild

Offenbach - Der Obdachlose Reiner Schaad hat seine Eisenbahn wieder. Die Stadt Frankfurt hatte ihm das Spielzeug vor einigen Tagen weggenommen. Am Mittwoch erhielt "Eisenbahn-Rainer" seine Waggons zurück. Ein Einzelfall bleibt seine Geschichte nicht, denn häufig sorgen kleinliche Behörden-Entscheidungen für Unmut bei Bürgern.

Ist ja nochmal gut ausgegangen für "Eisenbahn Rainer". Doch die "Willkür der Behörden" erhitzt immer wieder die Gemüter. So geschehen erst kürzlich in Rodgau: Dort kämpft Petra Kipper seit elf Jahren um den Erhalt ihrer Wildtierarche. Das Veterinäramt des Kreises Offenbach will die Auffangstation in Dudenhofen schließen. Bereits ereilt hat dieses Schicksal die Igel-Insel (2011) und die Papagaien-Pension in Mühlheim (2012/13). Ärger gab es auch um die Tierherberge in Egelsbach; in Obertshausen wurden 2014 Tauben beschlagnahmt und 2009 gar eine ganze Schafsherde.

Viel Geld kostet die Steuerzahler auch eine Entscheidung des Darmstädter Bürgermeister Rafael Reißer (CDU): Im Zusammenhang mit dem Hessenderby zwischen dem SV Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt verhängt er im April ein Innenstadt-Verbot für Eintracht-Fans. Gegen diese Entscheidung klagen zahlreiche Frankfurter Fußballanhänger und bekommen Recht. Dennoch hält Bürgermeister Reißer an dem Aufenthaltsverbot zunächst fest. Es folgen zahlreiche weitere Klagen, bis Reißer das Verbot zurücknimmt. Der Stadt bleiben allerdings Gerichtskosten von weit über 100.000 Euro, Verursacher Rafael Reißer ist immer noch im Amt.

Fast schon ein Garant für Unmut sind Knöllchen. Besonders wenn ihr Verteilen gehäuft auftritt. wie zum Beispiel zu den Bring- und Abholzeiten der Kitas in Dreieich. Oder wenn es der Hilfspolizist auf eine bestimmte Berufsgruppe abgesehen zu haben scheint: Das zumindest vermuten Handwerker in Rodgau. Auch Anwohner in der Mainstraße in Neu-Isenburg staunen nicht schlecht als sie plötzlich 40 Euro fürs Parken auf dem Bordstein zahlen sollen - obwohl man es Jahrzehnte lang nicht anders gemacht hat. Denn: Würden sie ihre Autos nach Vorschrift abstellen, kämen größere Fahrzeuge kaum mehr durch.

Kopfschütteln verursachen auch immer wieder die Hygienevorschriften, die seit einigen Jahren für Kuchentheken von Vereinen, Cafeterien und Festen gelten. Betroffen davon ist beispielsweise der Verein "Musik im Park". Den Großteil ihrer Einnahmen generieren die Mitglieder beim Kuchenverkauf. Mittlerweile gibt es unter den Helfern ein extra Team, das sich genau mit den Vorschriften befasst. Kurios auch die Strafandrohung, die Bieberer Schüler erhalten, weil sie selbstgemachte Marmeladen auf einem Markt verkaufen. Der Grund: Eine Liste der Inhaltsstoffe fehlt. Selbst Essensreste hat das Veterinäramt im Visier: Der Fairteiler im Quartierzentrum Nordend wird als Betrieb eingestuft und unterliegt deshalb strengen Kontrollen. Die Idee der Initiative, Lebensmittel vor der Tonne retten, wird dadurch deutlich komplizierter.

Von der Bürokratie-Keule heftig getroffen fühlt sich auch ein Hausbesitzer in Mühlheim. Des Denkmalschutzes wegen soll er für Fenster zahlen, die er gar nicht braucht. Sein Streit mit den Behörden zieht sich schon über Jahre. Wie so oft. (rin)

Knöllchen-Liste: Welche Stadt wie abschneidet

Quelle: op-online.de

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