Neuer Ratgeber soll Patienten mehr Sicherheit im Krankenhaus geben

Ärztepfusch den Kampf angesagt

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Symbolbild

Wiesbaden - Patienten in Hessen sollen mithelfen, Fehler im Krankenhaus zu vermeiden. Lieber zu viel als zu wenig nachfragen, lautet der Rat einer neuen Broschüre. Sie ist aber nicht unumstritten.

Den Tupfer in der Wunde vergessen, die falsche Stelle aufgeschnitten, Medikamente verwechselt, die Hände nicht desinfiziert oder zwei Herr Müllers verwechselt: „Krankenhäuser sind Hochrisikobereiche, wie Atomkraftwerke oder der Luftverkehr“, sagt Hartmut Siebert vom Aktionsbündnis Patientensicherheit. Wie kann man Fehler vermeiden? Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) sieht zwei Ansatzpunkte: Zum einen müssten die Kliniken eine Kultur schaffen, in der Fehler nicht verheimlicht, sondern öffentlich gemacht werden, damit man aus ihnen lernen kann. Zum anderen brauche man aufgeklärte, mündige Patienten, die den Mut haben, den Mund aufzumachen, wenn ihnen etwas komisch vorkommt.

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Handbuch für Patienten in Hessen

Hessen will 2017 allen Patienten eine einheitliche Broschüre an die Hand geben, wie sie selbst mithelfen können, Fehler im Krankenhaus zu vermeiden. Es ist die erste bundesweite Initiative dieser Art in einem Flächenland. Aufgeklärt wird über Hygiene, Medikamente, Stürze, Schmerzen, Untersuchungen und vieles mehr. Der Ratgeber ermuntert die Krankenhauspatienten ausdrücklich, Fragen zu den verabreichten Medikamenten zu stellen, aber auch nach der Desinfektion des Klinikpersonals, der regelmäßigen Entleerung von Harnwegskathetern, der Ursache von Schmerzen, Risiken von Eingriffen oder etwa der Weiterbehandlung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Zudem sollen sie Vorerkrankungen, mögliche Infektionen, Allergien, Schlaf- oder Atemprobleme melden.

Drei Kliniken – die Asklepios Paulinen Klinik in Wiesbaden, das Klinikum Fulda und das Ketteler Krankenhaus in Offenbach – haben „Sicher im Krankenhaus – Ein Ratgeber für Patienten“ in der Pilotphase einen Monat lang an 500 Testpatienten verteilt. Die Ergebnisse seien „durchaus positiv“, hieß es an der Asklepios Paulinen Klinik in Wiesbaden: „Die Patienten hatten weniger Scheu, aktiv nachzufragen.“ Und das Personal, das eine Flut von Fragen erwartet hatte, berichtete nicht von mehr, sondern nur von zielgerichteteren Gesprächen.

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Kritisch äußerte sich Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz: „Eine Hochglanzbroschüre verhindert keine Behandlungsfehler. Hier bei den Patienten anzufangen, stellt den Patientenschutz auf den Kopf.“ Verantwortlich seien Ärzte und das Klinikpersonal. Die Idee, Patienten zur Kontrolle des Krankenhauspersonals anzuhalten, findet Brysch „absurd“.

Zahlen zu Behandlungsfehlern

Was genau als Behandlungsfehler zählt, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Eine Übersicht zu offiziellen Daten:

  • In 138 Fällen wurde 2015 von der Gutachterstelle der Landesärztekammer in Hessen ein Behandlungsfehler anerkannt. In 13 Fällen führten demnach Behandlungsfehler zum Tod der Patienten. 
  • 14.828 Mal prüften Gutachter im Auftrag der Krankenkassen 2015 bundesweit Verdachtsfälle in Krankenhäusern. Die Zahl der bestätigten Fehler lag bei 4064. In 205 Fällen starben die Patienten.
  • Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft liegt die Quote der von den Krankenkassen erfassten Behandlungsfehler bei 20 Millionen stationären Fällen nur bei rund 0,1 Prozent.
  • Studien kommen zu dem Ergebnis, dass 80 Prozent aller Behandlungsirrtümer in Krankenhäusern mit Medikamenten passieren.

dpa/epd

Quelle: op-online.de

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