Immer wieder werden Jogger von Bussarden attackiert

Angriffslustige Greifvögel

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Herrlicher Lauf vor untergehender Sonne: Doch manchmal schlägt die Natur zurück. Da heißt es Mütze auf oder eine andere Route wählen.

Groß-Gerau - Wer beim Joggen im Wald dem Nest eines Greifvogels zu Nahe kommt, lebt gefährlich. Manche Vögel verteidigen aggressiv ihren Nachwuchs. Um den Attacken zu entgehen, gibt es aber eine einfach Lösung. Von Simon Ribnitzky 

Drei Mal hat der Bussard schon zugeschlagen. Drei Mal mussten Jogger in einem Wald bei Groß-Gerau mit blutigen Kratzern am Kopf zum Arzt. Der Angriff kommt für die Opfer meist völlig überraschend, von hinten schießt der Greifvogel im Sturzflug heran. In der Regel dreht er in letzter Sekunde ab, belässt es bei einem Scheinangriff. Doch manche Vögel sind hartnäckiger, wenn es darum geht, unliebsamen Besuch zu vertreiben. „Der Bussard hier, der ist schon ziemlich aggressiv“, sagt der Leiter des Forstamtes Groß-Gerau, Wolfram Hammes. An dem Weg stehen jetzt Warnschilder, die auf die Gefahr aus der Luft hinweisen.

Während der Brutzeit des Mäusebussards zwischen Mai und Juli machen Jogger und Radfahrer auf den Wegen der hessischen Wälder immer wieder ungewollt Bekanntschaft mit den Greifvögeln. „Den Tieren geht es einfach darum, ihr Nest zu verteidigen“, erklärt Dagmar Stiefel von der Staatlichen Vogelschutzwarte. Dem Landesbetrieb HessenForst ist neben den Fällen bei Groß-Gerau noch ein angriffslustiger Vogel in Nordhessen bekannt, im Bereich des Forstamtes Wehretal. „Im Vergleich zur Zahl der brütenden Bussarde sind das aber nur Einzelfälle“, sagt HessenForst-Sprecher André Schulenberg. 8000 bis 14.000 Mäusebussard-Brutpaare gebe es in Hessen, schätzt die Vogelschutzwarte.

Der Mäusebussard ist unter den Vogelkundlern bekannt für seine aggressive Nestverteidigung. Hinzu kommt, dass die Vögel häufig nah am Waldrand brüten – und das in vergleichsweise geringer Höhe von um die zehn Meter über dem Boden. „Da kommt es schon mal vor, dass ein Brutplatz direkt an einem Waldweg liegt“, sagt Stiefel. Jogger und Radfahrer können dann von den Tieren als Bedrohung wahrgenommen werden, weil sie sich relativ schnell bewegen. „Für normale Spaziergänger besteht eigentlich keine Gefahr“, so die Vogelexpertin.

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Stiefel rät deshalb, an entsprechenden Stellen eine kurze Pause einzulegen und zu gehen, statt zu joggen. „Noch besser ist es, die Strecke ganz zu meiden und für ein paar Wochen eine andere Joggingstrecke zu nutzen.“ Kommt es doch zu einer Bussard-Attacke helfe nur „Rückwärtsgang rein und weg“, damit der Vogel erkennt, dass sich der vermeintliche Eindringling zurückzieht. Da die Greifvögel immer auf die höchste Stelle – beim Menschen also auf den Kopf – zielen, nutzt auch eine Mütze oder man hält die Arme schützend über den Kopf.

Dabei ist der Schreck bei einem solchen Angriff meist größer als die tatsächlichen Folgen. „Da muss niemand in Panik ausbrechen, in der Regel geht das glimpflich aus“, sagt HessenForst-Sprecher Schulenberg. Auch Stiefel betont: „Es gehört nicht zum Standard-Repertoire des Mäusebussards, Menschen zu attackieren.“ Meist streiften die Vögel nur kurz durch die Haare. „Das kitzelt ein wenig.“ „Wenn es irgendwo ein kratzbürstiges Exemplar gibt, weisen wir darauf hin“, sagt Schulenberg. Gegen die Vögel werde nichts unternommen. „Die dürfen da brüten, sie sind willkommen.“. Komplett für Spaziergänger und Jogger gesperrt werden die Wege jedoch auch nicht. Hammes: „Wir appellieren an die Vernunft der Leute – wer dort trotzdem joggt, ist selber Schuld“.

dpa

Quelle: op-online.de

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