Bürgermeister fürchten mehr Fluglärm

Angst vor lautem Luftverkehr

Heusenstamm - Der Alptraum von sieben Bürgermeistern im Kreis Offenbach hat einen Namen: „RNP-to-XLS“. So heißt eine jüngst getestete Anflugroute auf den Frankfurter Flughafen quer durch das östliche Kreisgebiet. Von Michael Eschenauer

Die Bürgermeister fürchten, dass diese neue Luftstraße bald in den Regelbetrieb geht. „Wir sitzen hier planungsrechtlich auf dem Beifahrersitz“, erklärte gestern der Luftfahrtexperte und Rechtsanwalt Thomas Mehler, der von den Bürgermeistern von Heusenstamm, Neu-Isenburg, Obertshausen, Rodgau, Mühlheim, Seligenstadt und Hainburg mit der Wahrnehmung der Interessen ihrer Kommunen beauftragt wurde. Es sei für die Flugsicherung möglich, die Route ohne Beteiligung der Kommunen „durch die kalte Küche“ in den Regelbetrieb zu überführen. Würde die neue Luftstraße über dem Kreis Offenbach nach erfolgreicher Versuchsphase Realität, was die Bürgermeister für möglich halten, steht die Drohung einer Klage im Raum.

„RNP-to-XLS“ bezeichnet einen satellitengestützten Anflug mit hoher Genauigkeit, mit dem Siedlungsschwerpunkte umflogen werden können. „Dieses Verfahren stößt bei uns nicht auf Gegenliebe“, sagte gestern Heusenstamms Bürgermeister Halil Öztas. Bisher habe es sich im Testlauf nur um ein bis zwei Überflüge pro Tag gehandelt. Im Falle einer Einführung von „RNP-to-XLS“ drohe aber zahlreichen schon jetzt stark durch Straßen-, Verkehrs- und Industrielärm belasteten Gemeinden eine eklatante Mehrbelastung durch Fluglärm.

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Rechtsanwalt Mehler rechnet bei einer Einführung von „RNP-to-XLS“ mit zweistelligen Flugzeug-Zahlen pro Stunde über dem Ostkreis. Daniel Tybussek (Mühlheim) sprach von einer weiteren reinen Lärmverteilungsmaßnahme. Stattdessen fordere man echte Lärmminderung. Auch die anderen Bürgermeister kritisierten, dass das Bundesamt für Flugsicherung und die Flugsicherung die kommunalen Interessen – zum Beispiel geplante Wohngebiete – missachteten. Dieser Verfahrensfehler finde sich auch bei der ins Auge gefassten neuen Anflugroute. Im Offenbacher Umland gebe es zudem kein Anrecht auf Schallschutz-Vorrichtungen. Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel bezeichnete Mehrbelastungen seiner Bürger, von denen bereits über 14.000 von Fluglärm betroffen oder hochbetroffen seien, als inakzeptabel.

Die Testroute führte zwischen Hainburg und Seligenstadt und danach zwischen Obertshausen und Heusenstamm hindurch, folgte südlich der A3, um nordwestlich von Gravenbruch in den Endanflug zu gehen. Rechtsanwalt Mehler sprach von einen „oberflächlichen Verfahren auf dem Bierdeckel“ bei der Gestaltung der Test-Flugroute. Das Thema Lärmbelastung habe keine Rolle gespielt.

Quelle: op-online.de

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