„Anti World Tour“: Zwischen Megahits und Modenschau

Mit Rihanna ins Schaumbad

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Megastar Rihanna.

Frankfurt - Weg mit billigem Charts-Gedudel und aufgeblasenem Plastik-R´n´B – rein ins frisch aufbereitete Rihanna-Schaumbad. Von Peter H. Müller 

Auf ihrer „Anti World Tour“ erfindet sich Megastar „RiRi“ mal eben neu und probt in der Frankfurter Commerzbank Arena die stylische Antithese zum knallbunten Show-Zirkus. Ihre zu kurze, aber perfekt durchchoreografierte 90-Minuten-Party ist das Beste, was man von der 28-jährigen Queen of Pop seit langem gesehen hat. Nur: Fotografieren ist verboten, zumindest für die böse Presse. Vielleicht gehört diese Prinzessinnen-Attitüde ja irgendwie zur frisch ausgeheckten „Anti“-Strategie. Schon seltsam: Während immer mehr angesagte Künstler über ein Handy-Verbot bei ihren Auftritten grübeln, lädt Frau Rihanna mal eben kategorisch alle Pressefotografen aus –während in Frankfurt 35 000 Fans munter knipsen dürfen, was die Akkus so hergeben (Bilder und Videos von Fans).

Nun denn. Versuchen wir uns also in netten Sprachbildern, die ein wenig davon berichten, wie sich die gerne als „Wanna-Be-yoncé“ gescholtene Facebook-Ikone auf richtig guten Kurs manövriert hat. Sie kommt zwar wieder mal eine Dreiviertelstunde zu spät, aber an diesem verblüffend überzeugenden Abend ist das leicht zu verschmerzen. Denn gerade eingedenk ihrer letzten Konzert-Selbst-Therapie in der Festhalle, wo sie noch auf pinkfarbenen Panzern herumturnte und Autos per Baseball-Schläger demolierte, musste man doch eher skeptisch sein. Fünf Jahre später stiefelt sie also umringt von Security-Riesen fast heimlich ins Stadion – mitten durch die Menge, in Richtung eines Bühnenpodestes im Innenraum.

Zu hören ist die wunderbare Ballade „Stay“– und vor allem ihre Stimme, was im basslastigen Dauergehämmer der Vergangenheit eher selten der Fall war. Und sie hat sich natürlich auch in Sachen Outfit etwas einfallen lassen: ein raffiniertes, Po-abwärts großflächig ausgeschnittenes Mantel-Ensemble mit Bömmel-Kapuze, Seiden-Body und absurd hohen Alcantara-Overknees, die via Strapsgürtel gehalten werden. Ob das nun als Boxerinnen-Kostüm, neue Schlumpf-Pret-à-Porter oder „Ku Klux Klan“-Verachtung interpretiert werden soll, wurde nicht überliefert.

Sicher ist: Bereits „Love the way you lie“ und „Woo“ klingen so schön entrümpelt, dass man sich die Ohren reibt. Und Weiß, die dominierende Farbe des Abends, steht ihr ausgesprochen gut. Bühne, Schlagzeug, Gitarren, Keyboards, selbst die Ganzkörper-Kondome der Tänzer/innen oder der Plexiglas-Catwalk, der sie in luftiger Höhe zur Rampe hievt -– alles scheint klinisch rein angestrichen. Ausnahme: das schwenkbare XL-Video-Karree, das gegen die drohende Schneeblindheit hilft. Selbstredend ist dafür aber zuvorderst Robyn Rihanna Fenty zuständig, die – „Sex with me“-– schon auf der gläsernen Brücke für kollektiven Bluthochdruck gesorgt hat. In der Center Stage gelandet, geht es dann Schlag auf Schlag: „Birthday Cake“, „Numb“, „Bitch better have my money“, selbst „Live your Life“/ „All of the Lights“ oder ihr Chartstürmer „Umbrella“ – die bewährten Hits gibt es fast ausschließlich in homöopathischen Kurzversionen.

Nackte Haut bei Popstars

Obligatorisch dagegen, die Rihanna-Modenschau: Jumpsuit mit hohem „Nippelgate“-Faktor, sehr transparenter Glitzer-Overall mit schwarzem Mini-String oder Yedi-Ritter-Corsage mit Nerd-Brille und, na klar, Kapuze – das Auge hört mit, die Lockenmähne weht – und im letzten Konzertdrittel wabert schließlich auch noch blütenweißer Persil-Schaum in die Bühnenkulisse. „Man Down“, „Work“, „Take care“ oder „We found love“ – Rihanna twerkt das stilsicher weg, und fremdelt selbst in ihrer Rolle als entrückte Sanges-Elfe, beim psychedelischen Tame Impala-Cover „Same ol´ Mistakes“, keine Sekunde.

Gegen Ende gönnt sie sich den einzigen Break, und erinnert vor „Diamonds“ an die Amok-Fahrt von Nizza, um tausende Handy-Kerzen anknipsen zu lassen – und mit den „craziest fans“ der bisherigen Tour zu feiern. Das zelebriert sie bis ins „Kiss you better“-Finale, winkt so dann lächelnd, schreibt flugs ein, zwei Autogramme und dirigiert ein Klassik-Orchester aus der Konserve. Auf der Videowall läuft nämlich schon der Abspann. Und Zugaben sind im „Anti“-Programm leider eine Leerstelle –Schaum drüber!

Quelle: op-online.de

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