Marokkanische Popsängerin überzeugt im Palmengarten

Oum: R&B auf Arabisch

Frankfurt - Ihr Gewand samt Kopfbedeckung ist farbenprächtig, die Tradition des Maghreb deckt sich mit der Moderne. Von Sebastian Hansen

Trancehafte Ritualmusik als Wurzel: Die marokkanische Sängerin Oum zaubert im Palmengarten einen entspannten Sound. - Foto: Lamina Lahbabi

Damit ist zugleich das künstlerische Ansinnen der marokkanischen Popsängerin und Songschreiberin Oum El Ghaït Benessahraoui charakterisiert, die sich kurz Oum nennt. Es ist vor allem die Rolle der Frau in der arabischen Kultur, mit der sie sich in den Texten der Songs auf ihrem jüngsten Album „Zarabi“ beschäftigt.  Oum ist ein Chamäleon. Jedes ihrer bisher vier Alben markiert eine andere musikalische Position. Nun ist die 38-Jährige mit ihrer Band bei dem vom Frankfurter Mousonturm ausgerichteten Festival „Summer in the City“ in der Konzertmuschel des Palmengartens aufgetreten. Auf der ersten, nur in ihrem Heimatland verbreiteten Platte „Lik’ Oum“ präsentierte sich die studierte Architektin als arabische Antwort auf den R&B. Munter poppig und musikantisch wie eine marokkanische Zaz klingt sie auf dem internationalen Debüt „Soul of Morocco“. Das Frankfurter Konzert indes orientierte sich an dem im Frühjahr nachgeschobenen Album „Zarabi“, das sie mit einem Quartett von Jazzmusikern aufgenommen hat. Auf Platte erscheint das mitunter arg lau – auf der Bühne indes offenbart es sich als eine mitunter sehr leise, balladenhafte und auch in den temporeicheren Nummern in einer beherzten Art wunderbar entspannte Musik.

Die trancehafte Ritualmusik der Gnawa-Sufis bildet die regionale traditionelle Wurzel. Wie im Jazz üblich, treten immer wieder einzelne der allesamt großartigen Musiker mit Soli hervor, hernach gibt es Applaus. Es handelt sich um den Trompeter Robin Mansanti, den fantastischen Oudvirtuosen Yacir Rami, Damian Nueva am Bass und die Perkussionistin Inor Sotolongo an einem mit afrikanischen Trommeln ausgestatteten Schlagzeugset. Oum spielt verschiedene Kastagnetten sowie Schüttelperkussion. Der gemäßigt ornamentreich geführte Alt schwingt häufig in die Höhen. Nur selten setzt Oum Triller, gelegentlich aber wirft jemand aus dem Publikum einen ein. Mal beginnt ein Stück mit einer spannungsreich ausführlichen Solointroduktion, dann auch präsentiert sich für einen Moment die ganze Gruppe als Perkussionsensemble. Der Kern gleicht aber stets einem Singer/Songwriter-Stück.

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Dem des Arabischen unkundigen Europäer erschließt sich der Gehalt der Texte natürlich einzig über die Ansagen. Offensichtlich geht es darin um die postfeministische Proklamation eines modernen weiblichen Selbstbewusstseins, daneben auch um Erinnerung. Von dem Begehren nach „Liebe, Erotik und Verlangen“ ist da unter anderem die Rede. Das ist nun nicht gleich „arabischer Jazz“, wie die Plattenfirma das apostrophiert, treffender lässt es sich als arabischer Singer/Songwriter-Pop mit einer Jazznote charakterisieren. Gerade in ihrer zurückhaltenden Art ist diese Musik ungemein wirkungsvoll.

Quelle: op-online.de

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