Erneute Vernehmung von Ex-Verfassungsschützer

NSU-Ausschuss: Aussage bleibt unbefriedigend

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Wiesbaden -  Die erneute Vernehmung des früheren Verfassungsschützers Andreas Temme im Landtag hat keine neuen Erkenntnisse zum NSU-Mord in Kassel gebracht.

Temme beteuerte gestern bei der siebenstündigen Befragung vor dem NSU-Untersuchungsausschuss, von dem Mord an dem deutsch-türkischen Internetcafé-Besitzer Halit Yozgat 2006 in Kassel nichts mitbekommen zu haben. Temme ist eine der Schlüsselfiguren in den Ermittlungen und stand vorübergehend unter Mordverdacht, da er sich kurz vor oder während der Tat in dem Laden aufhielt. Vor dem Gremium sagte Temme, er habe in dem Internetcafé keinen Schuss wahrgenommen: „In meiner Erinnerung ist nichts Außergewöhnliches gewesen.“ Er sei ins Café gegangen, Yozgat habe ihm einen Computer zugewiesen. Er habe wenige Minuten im Internet gesurft, sei aufgestanden, habe 50 Cent auf den Tresen gelegt und sei gegangen. Yozgat sei zu dem Zeitpunkt nicht im Café zu sehen gewesen.

Temme bekräftigte, dass er privat in dem Café gewesen sei, um in einem Flirt-Chatroom nach Nachrichten für ihn zu sehen. Danach habe er sich nicht bei der Polizei gemeldet, auch weil er Angst um seine Ehe gehabt habe. Konfrontiert mit Widersprüchen in seinen Aussagen, unter anderem zur Einschätzung früherer V-Männer oder zur Frage, wann und von wem er von der NSU-Mordserie erfuhr, antwortete Temme ausweichend oder berief sich auf Erinnerungslücken. Der Beamte wurde bereits zum zweiten Mal von dem Gremium als Zeuge befragt. Er selbst habe keine Kontakte zur rechtsextremen Szene gehabt, auch nicht in seiner Jugend, sagte Temme. Zur Frage, warum dann andere Zeugen ausgesagt hätten, man habe ihn damals „Klein-Adolf“ genannt, sagte der 49-Jährige, davon wisse er nichts. Er räumte ein, Abschriften von Hitlers „Mein Kampf“ angefertigt zu haben und gab außerdem Kontakte zur Rockergruppe Hells Angels zu, diese seien aber nur sehr lose gewesen.

Die SPD-Obfrau im Ausschuss, Nancy Faeser, erklärte, Temmes Glaubwürdigkeit sei nun vollständig erschüttert. Auch CDU-Obmann, Holger Bellino, nannte die Aussagen unbefriedigend. Die Grünen sprachen von einer schweren Verfehlung, da Temme als Verfassungsschützer dem Zeugenaufruf der Polizei nicht nachgekommen sei. Auch FDP und Linke kritisierten zahlreiche Widersprüche, die FDP verlangte eine erneute Vorladung. (dpa)

Quelle: op-online.de

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