Spatenstich in Frankfurt

Baubeginn am zukünftigen Deutschen Romantik-Museum

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Haus mit blauem Erker: Das zukünftige Deutsche Romantik-Museum in Frankfurt wird direkt neben dem Geburtshaus von Johann Wolfgang von Goethe (rechts) stehen.

Frankfurt - Der Bau des Deutschen Romantik-Museums in Frankfurt hat begonnen: Zum Spatenstich waren gestern Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der Hessische Kulturminister Boris Rhein (CDU) gekommen. Von Lisa Berins

Für 16 Millionen Euro wird neben Goethes Geburtshaus bis Anfang 2019 das erste Museum für die deutsche Romantik entstehen. Mit Gummistiefeln und einer angesteckten, symbolischen blauen Blume steht die Prominenz im Matsch der Baustelle am Großen Hirschgraben. „Eins, zwei, drei“ ruft Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD); die Spaten werden in den Erdhaufen gestochen, nasse Klümpchen fliegen durch die Luft. Wie aufs Stichwort war die Sonne herausgekommen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist aus Berlin angereist. „Die Romantik bekommt endlich ihr Museum – in Frankfurt“, sagt sie mit Begeisterung. Dass die geistige Bewegung bislang keinen Erinnerungsort habe, sei ein „Defizit in der Pflege unseres literarischen Erbes“, findet die Ministerin und studierte Germanistin. Die Romantik sei eine „Schlüsselepoche der deutschen und auch der europäischen Geschichte“. Kaum fassbar sei, dass die wertvollen Zeugnisse und Dokumente bisher „in einem Frankfurter Keller lagen.“

Im Archiv des Freien Deutschen Hochstifts lagern kistenweise Autographen und andere Dokumente aus der frühen bis späten Phase der Romantik: angefangen bei Novalis, über Achim von Arnim bis zu Joseph von Eichendorff. Im Museumsneubau, der vom Frankfurter Architekten Christoph Mäckler entworfen wurde, sollen sie demnächst in angemessener Weise präsentiert werden. Platz sei auch für Wechselausstellungen und für eine Gemäldegalerie der Goethezeit. 4700 Quadratmeter Fläche sollen dafür und für 28 Wohnungen zur Verfügung stehen, sagte Frank Junker, vorsitzender Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding und derzeitiger Bauherr.

Bis Ende 2018 oder Anfang 2019 solle der Neubau neben dem Geburtshaus von Johann Wolfgang von Goethe stehen. „Wie fände Goethe das wohl?“, fragt sich Boris Rhein, Hessischer Kulturminister. „Er wäre sicher außerordentlich erfreut, wenn auch auf spezielle Art und Weise.“

Dass man beim Dichterfürsten durchaus romantische Anwandlungen finden könne, betont auch Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU). Neben einer historischen Aufklärung über die Geschichte der Romantik solle mit dem neuen Museum diese Verbindung hergestellt werden.

Das Romantik-Museum „passe“ zu Frankfurt, betont Oberbürgermeister Feldmann. Es sei ein Zeichen „antiautoritärer Gesinnung“, dass das Bauvorhaben trotz anfänglicher Absage der Stadtregierung durchgesetzt wurde. Die Stadt war 2013 zunächst aus finanziellen Gründen ausgestiegen. Nun beteiligt sie sich mit 1,8 Millionen Euro an dem insgesamt 16 Millionen Euro teuren Projekt. Jeweils vier Millionen geben Bund und das Land Hessen hinzu, 6,3 Millionen Euro kommen von Spendern.

Die Idee, ein eigenes Museum für die hundert Jahre alte, „weltweit einzigartige“ Romantik-Sammlung des Freien Deutschen Hochstifts zu bauen, habe es bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben, sagt Carl L. von Boehm-Bezing, Vorsitzender des Verwaltungsausschusses des Stifts. Dass es nun soweit ist, freue ihn sehr: „Wir erleben, wie es ist, wenn Sehnsüchte an ihr Ziel gelangen.“

Bisher ist auf dem Grundstück noch nicht viel zu sehen. Die Baufirma hat das Gebäude, in dem der Börsenverein und das Frankfurter Volkstheater saßen, abgerissen – vorsichtig musste sie dabei vorgehen, denn die historische Substanz des Goethehauses sollte keinen Schaden nehmen. Es gebe deshalb bereits jetzt eine kleine Verzögerung im Zeitplan, so Bauherr Junker.

Quelle: op-online.de

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