Murray Perahia als Pianist und Dirigent in der Alten Oper

Beethovens Netzwerker

Frankfurt - Schon 40 Jahre tourt er um die Welt mit konzertanter Erfolgsgarantie. Seit geraumer Weile hält US-Star Murray Perahia auch ein Plädoyer für die Personalunion von Pianist und Dirigent. Mit einem hierfür ideal disponierten Orchester. Von Klaus Ackermann 

Ist doch die Academy of St. Martin in the Fields sehr erfahren im Spiel ohne Zeichengeber. Das unterstrichen die Briten einmal mehr beim Pro-Arte-Konzert in der Alten Oper mit Werken von Britten, Schubert und Beethoven, dessen Klavierkonzert Nr. 4 der US-Pianist feinfühlig erschloss. Mit Benjamin Britten (1913-1976) liefert das Londoner Orchester seine Visitenkarte ab, hier die Variationen auf ein Thema seines Lehrers und Förderers Frank Bridge. „Very british“ sind die ironischen Pointen bei den Abwandlungen der spätromantischen Vorlage, deren sattes Klang-Chroma Britten mit grellen Streicherschlieren versieht.

Bestens im Ohr ist bei den Variationen die Aria Italiana, köstliches Verdi-Derivat, wie von einem selbstgefälligen Opernstar vorgetragen. Oder der rhythmisch verschrobene Wiener Walzer. Auffällig auch die Energieleistung von Konzertmeister Tomo Keller, der perfekt durch rhythmische und figürliche Fährnisse führt, und dazu die klanglichen Charaktere der Britten-Variationen plakatiert.

Ist’s ein Lieblingsstück Perahias oder sollten die bislang unbeschäftigten Bläser ausgelastet werden: Schuberts h-Moll-Sinfonie, die „Unvollendete“, spielt vor der Pause ihren melodiösen Charme aus. Es gelingt dem unspektakulär dirigierenden New Yorker, das geisterhaft Drohende mit Cellogesang zu bannen. Bis hin zum empfindsamen Klarinettenlied ein berührender Abgesang von dieser Welt.

Über weite Strecken geeignet ist die Personalunion von Pianist und Dirigent beim lyrisch getönten, aber auch dramatisch aufbegehrenden Klavierkonzert G-Dur von Beethoven. Ein Dialog, bei dem das Klavier Fragen stellt, die das Orchester beantwortet, dabei weitere Themen zur Diskussion stellend.

Perahia, der anfangs die schnellen Tonketten in Pedaldampf taucht, wirkt bei der Kadenz eingespielt, stärkt den Kontrast zwischen schlichtem Klavierlied und schroffer Streichergarnitur und setzt auch im virtuosen Rondo den rhythmischen Akzent. Einmal mehr zeigt dieser Finalsatz, was Beethoven für ein großartiger Pianist war. Und Perahia einer ist, der in Frankfurt von großer Fan-Gemeinde gefeiert wird.

Quelle: op-online.de

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