Patient entreißt einem Polizisten die Dienstwaffe

Drei Schwerverletzte bei Schießerei in Psychiatrie

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Psychiatrie in Frankfurt-Höchst.

Frankfurt - Weil ein Patient einer Psychiatrie die Kontrolle verliert, rückt sogar die Polizei an. Doch dadurch eskaliert die Situation erst richtig.

In einer Psychiatrie in Frankfurt-Höchst hat in der vergangenen Nacht ein 33 Jahre alter Patient randaliert und drei Menschen schwer verletzt, darunter auch sich selbst. Klinikmitarbeiter hatten in der Nacht gegen 3 Uhr die Polizei alarmiert und um Unterstützung gebeten, wie André Sturmeit von der Frankfurter Polizei berichtete. Zunächst seien drei Beamte in der Klinik eingetroffen und sofort von dem Patienten angegriffen worden. Der Mann habe einen der Polizisten gewürgt und ihm dann die Dienstwaffe entrissen.

"Damit schoss er im Zimmer und dem angrenzenden Flur um sich", sagte Sturmeit. Einer der Polizisten wurde am Bein getroffen, ein Mitarbeiter der Psychiatrie an einem Arm. Sich selbst verletzte der Patient ebenfalls an einem Bein. Die Verletzungen seien nicht lebensgefährlich, erklärte der Polizeisprecher. Mit Unterstützung zahlreicher weiterer Polizeikräfte gelang letztlich die Festnahme des Mannes. Zuvor hatte er das gesamte Magazin leergeschossen. Das entspricht nach Einschätzung von Fachleuten 15 Schuss. Der 33-jährige war ursprünglich im Frankfurter Stadtteil Bockenheim aufgegriffen und kurz nach Mitternacht zwangseingewiesen worden, da er Suizidabsichten hegte. Ob er unter Drogen stand, war zunächst noch unklar. "Das muss die Blutentnahme zeigen", sagte der Polizeisprecher.

Wie es dem Patienten gelang, dem Polizisten die Waffe zu entreißen, war zunächst nicht ganz klar. "Das war ein hochaggressives Gerangel", sagte der Sprecher. Die Beamten hätten ihrem angegriffenen Kollegen zwar geholfen, aber nicht schießen können, weil die Situation in dem Patientenzimmer unübersichtlich gewesen sei. "Da hielten sich zehn oder elf Menschen auf." Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Grün, sprach von einem Ausnahmefall, der alle paar Jahre einmal vorkomme. "Wenn jemand außer sich ist, so voll Adrenalin, dass er keinen Schmerz und nichts mehr spürt, ist das eine Ausnahmesituation." Die Dienstwaffen seien im Holster zwar gesichert, aber nur einfach, nicht doppelt wie etwa eine Heckenschere oder eine giftige Chemikalie. "Der Kollege muss sie im Zweifelsfall ja auch schnell bedienen können", ergänzte der Polizeisprecher. Möglicherweise habe sich der Sicherheitsmechanismus während der Rangelei am Boden gelöst, sagte Grün. "Vielleicht war das auch ein Waffennarr, der genau Bescheid wusste." Solche Situationen trainierten die Beamten zwar regelmäßig, eine 100-prozentige Sicherheit gebe es aber nicht.  (dpa)

Quelle: op-online.de

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