Kritik an Plänen des Kultusministeriums

Eltern wollen mehr Geld für Inklusion

Wiesbaden - Die letzte Generalüberholung des Schulgesetzes haben noch CDU und FDP miteinander ausgehandelt. Nun hat die schwarz-grüne Koalition ihre Bildungspolitik in Paragrafen gegossen. Vor der Veröffentlichung machen Eltern und Schüler klar, wo sie Handlungsbedarf sehen.

Der Landeselternbeirat fordert mehr Mittel für den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderungen. Bisher seien die Mittel für die Inklusion im Schulgesetz je nach Haushaltslage gedeckelt, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Reiner Pilz. „Das halten wir für sehr, sehr grenzwertig.“ Dies müsse im Schulgesetz geändert werden.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) legt heute gemeinsam mit den Regierungsfraktionen CDU und Grünen einen Entwurf für die Novelle des Schulgesetzes vor. Das Gesetz regelt den gesamten Schulbetrieb. Es gibt beispielsweise die möglichen Schulformen vor und umfasst Eckpunkte für die Unterrichtsinhalte, die Bewertung der Leistungen sowie die Organisation der Schulen.

„Uns geht es um eine Ausstattung der Schulen, die Inklusion ermöglicht“, sagte Pilz. Dazu gehöre die Frage, wie viel Förderung tatsächlich in den Klassen ankomme. Derzeit seien es nur vier Stunden pro Woche und Inklusionskind. „Wir wollen, dass die Lehrer alle Kinder in der Klasse mitnehmen können“, sagte Pilz. Sehr großen Nachholbedarf gebe es auch bei der Aus- und Fortbildung der Lehrer.

Der Landeselternbeirat erneuerte zudem die Forderung nach dem Ausbau gebundener Ganztagsschulen. Die schwarz-grüne Landesregierung setze ganz auf den „Pakt für den Nachmittag“ mit freiwilliger Betreuung an Grundschulen bis 17 Uhr. „Das ist uns zu viel Betreuung und zu wenig Schule“, sagte Pilz.

Auch die Landesschülervertretung hat Forderungen für die Gesetzesnovelle, darunter eine Entschlackung der Oberstufe und größere Freiheiten bei der Wahl der Leistungskursfächer. „Deutsch soll auch mit Geschichte oder mit Politik kombiniert werden können“, sagte Landesschülersprecher André Ponzi. Zudem solle in den beiden Jahren vor dem Abitur die Zahl der Klausuren in den Grundkursen von zwei pro Halbjahr auf eine gesenkt werden. „Derzeit sind das bis zu drei Klausuren jede Woche“, sagte Ponzi.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisierte die Pläne des Ministeriums zur Qualifizierung bzw. Fortbildung von Schulleitern. Unverständlich sei, warum zentrale Begriffe wie Inklusion, inklusive Beschulung und individuelle Förderung im Konzept nicht erwähnt werden. „Mit Schule und Pädagogik hat dieses Konzept nichts zu tun“, kritisierte Stefan Wesselmann, Vorsitzender des Lehrerverbands. Er rügte auch die Ausrichtung: „Das Konzept atmet den Geist der Unternehmensberatungen, die offensichtlich daran mitgeschrieben haben.“ Das zeige sich daran, dass der Begriff „Kollegium“ nicht auftauche, sondern nur von „Führungskräften“ und „Mitarbeitern“ die Rede sei. (dpa/psh)

Quelle: op-online.de

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