Reitmeisterschaften abgesagt

Epidemie Pferdeherpes bricht aus: Mehrere Tiere eingeschläfert

Limburg - Die Tierseuche Pferdeherpes sorgt für große Unruhe unter hessischen Pferdehaltern. Mehrere Tiere mussten bereits eingeschläfert werden. Die Spring- und Reitmeisterschaften des Landes sind abgesagt.

Eine Tierepidemie hält Pferdebesitzer in Hessen in Atem: Nach dem Ausbruch von Pferdeherpes auf einem Reiterhof in Beselich (Kreis Limburg-Weilburg) mussten dort zehn Pferde eingeschläfert werden, 25 Tiere sind an der Infektion erkrankt. Als Konsequenz sagte der hessische Pferdesportverband am Mittwoch die Landesmeisterschaften der Spring- und Dressurreiter an diesem Wochenende ab. Der Verband will prüfen, ob und gegebenenfalls wann die Meisterschaften nachgeholt werden. Pferdeherpes gilt für Menschen als absolut ungefährlich. Offenbar handelt es sich bei der Epidemie um das Auftreten einer besonders aggressiven Variante des Herpesvirus, wie der Vertrauensarzt des Pferdesportverbandes, Richard Hirschhäuser, mehreren Medien erklärte. "In 40 Jahren haben ich noch keinen so aggressiven Ausbruch von Pferdeherpes erlebt", sagte er dem Sender Hit Radio FFH. Das sei mit den Pestzügen des Mittelalters vergleichbar. Bei einem der toten Pferde sei das Equine Herpesvirus 1 nachgewiesen worden, teilte Hirschhäuser auf der Internetseite seiner Praxis mit.

Der Reiterhof in Beselich steht bereits unter Quarantäne. Viele andere Höfe im Umkreis von etwa 100 Kilometern haben ein Transportverbot für Pferde ausgesprochen und lassen fremde Pferde nicht mehr in ihre Ställe, wie die Sprecherin des Verbandes, Heidrun Weitz, erklärte. "Wir empfehlen, nicht an Turnieren teilzunehmen und je nach Möglichkeit die Reiter- und Pferdehöfe in Hessen unter Quarantäne zu stellen." Dies ist laut Weitz auch deswegen wichtig, weil Pferde die Krankheit übertragen könnten, ohne dass sie bei ihnen selbst ausgebrochen sei. Auf zahlreichen Höfen können Schmiede und andere Dienstleister, die am Tag auf mehreren Höfen unterwegs sind, nur noch in speziellen Schutzanzügen arbeiten, um zu verhindern, dass sie das Virus an gesunde Pferde weitergeben. Es gibt nach Auskunft von Hirschhäuser derzeit keinen Impfstoff gegen die Infektion. Auch aus diesem Grund appellierte Weitz an die Eigenverantwortung der Pferdehalter, um eine Gefahr für die Tiere zu vermeiden.

Raus aus den Boxen: Pferde brauchen Licht, Luft und Bewegung

Pferdeherpes ist keine melde- oder anzeigepflichtige Krankheit. Daher könnten auch keine Verbote, etwa in Bezug auf Veranstaltungen, ausgesprochen werden, wie Jan Kieserg, Sprecher des Landkreises Limburg-Weilburg, erklärte. Verbandssprecherin Weitz sagte: "Bisher haben sich die Pferdehalter vorbildlich verhalten." Veterinärämter und Tierärzte hätten sich zudem abgestimmt, um die Epidemie möglichst effektiv einzudämmen. "Die hessischen Pferdefreunde ziehen an einem Strang, um ihre Tiere zu schützen", konstatierte sie.

dpa

Quelle: op-online.de

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