Die Tenor-Boygroup Il Volo beim Konzert in Frankfurt

Im Epizentrum des Italo-Schmachts

Frankfurt - „Forza Italia“ müsste man eigentlich skandieren, wenn der olle Signore Berlusconi diesen Jubeljauchzer nicht schon politisch vereinnahmt hätte. Von Peter H. Müller

Aber hier und heute geht es ja „Ciao Ciao Bambina“ vielmehr um Schmacht-Musik, Gänsehaut-Entzündungen und jede Menge „Grande Amore“. Die Tenor-Boygroup Il Volo verfrachtet die ausverkaufte Alte Oper mal eben im Handstreich nach San Remo. Beim einzigen Deutschland-Konzert der drei knuffigen Goldkehlen kreischen sich vor allem die weiblichen Fans in Ekstase. Ja ja, die italienischen Momente im Leben. Da tut selbst die fünftausendste Version eines neapolitanischen Gassenhauers der Euphorie keinen Abbruch: „O Sole Mio“ also. Wenn man so will, exakt der blassblaue Evergreen, der uns diese heißblütige „Klassik trifft Pop“-Dreifaltigkeit eingebrockt hat. Für alle, an denen das Phänomen „Il Volo“ bisher vorbei gegangen ist, eine kurze Einführung zu Piero Barone (22), Ignazio Boschetto und Gianluca Ginoble (beide 21).

Anno 2009 räumten sie bei der Talentshow „Ti Lascio Una Canzone“ den ersten Preis ab. Prompt gerieten sie in die Hände des Managers von Andrea Bocelli, der sie flugs in die USA vermittelte –ausgerechnet an jenes Major-Label der Universal Group, das einst Guns N´Roses unter Vertrag genommen hatte. Dazu wurden Pop-Produzenten-Gurus wie Tony Remis und Humberto Gatica gebucht – das Crossover-Projekt brummte, Teenies zwischen 8 und 68 waren fortan chronisch der Ohnmacht nahe. Dann kam auch noch der ESC in Wien 2015 und ein dritter Platz, der gefühlt ein Sieg war. Während sich an den Gewinner Mans Zelmerlöw kaum noch jemand erinnert, touren Il Volo inzwischen rund um den Globus und werden als italienisches Weltwunder gefeiert.

In Frankfurt ist das nicht anders. Schon nach der Schunkel-Eröffnung „Nel Blu, Dipinto Di Blu“, besser bekannt als „Volare“, tobt der Saal, im Rang wird die grün-weiß-rote Flagge geschwenkt – die Alte Oper liegt für zwei Stunden im Calzone-Epizentrum an der ligurischen Küste, Amtssprache natürlich Italienisch. Wer dessen nicht mächtig ist, wird an diesem Volksfest-Abend einige Gags und Kabarett-Einlagen verpassen – die drei Schwiegermutter-Traumbuben haben´s faustdick hinter den Ohren. Vor allem aber sind sie mit unglaublich starken Stimmen gesegnet; die Nachwuchs-Pavarottis können´s einfach – und zwar im Trio, zu zweit oder solo. Dazu ist ihre Setliste clever gebaut, vom unverwüstlichen Sinatra („My Way“) bis zu strammen Opern-Arien der Marke „E Lucevan Le Stelle“. Apropos Tenor-Ikonen: Mit Maestro Placido Domingo, der gut zehn Jahre älter ist als die drei Wunderknaben zusammen, werden Il Volvo demnächst in Florenz wieder auf der Bühne stehen. Der programmatische Titel des Abends: „Una Notte Magica!“– Da kann man sich drauf verlassen.

Quelle: op-online.de

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