Frankfurts Museums-Baustellen im Überblick

Exponate der Techno-Hauptstadt

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Abrissarbeiten und erste Vorarbeiten für das Deutsche Romantikmuseum sind neben dem Goethehaus (rechts) im Gange. Frankfurts Museumslandschaft ist derzeit eine Baustelle.

Frankfurt - „Leerlauf“ im Historischen Museum, Architektenwettbewerb für das Senckenberg, Spatenstich für das Romantik-Museum – in der zweiten Jahreshälfte kommen die Museums-Baustellen in Frankfurt ein gutes Stück voran. Von Sandra Trauner 

Umgebaut und erweitert werden etwa das Historische und das Jüdische Museum. Währenddessen entstehen zwei neue, deutschlandweit einmalige Ausstellungshäuser: ein Romantik-Museum und ein Techno-Museum.

Das HISTORISCHE MUSEUM am Römerberg ist die prominenteste weil zentralste Museumsbaustelle. Die Sanierung der Altbauten ist schon abgeschlossen, der Neubau steht kurz vor der Fertigstellung. Mitte Mai wird die Fassade aus Sandstein und Basalt präsentiert, im Herbst können sich die Frankfurter drei Tage lang das noch leere Haus ansehen. Sowohl der Zeitplan (Eröffnung 2017) als auch die Kosten (53 Millionen Euro) liegen nach Angaben der Museumssprecherin im Plan. Den Neubau, der an die Stelle des Betonbaus aus den 1970er Jahren tritt, hat das Architektenbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei entworfen. Die Gesamtfläche wird nicht größer, aber weil keine Depots mehr im Museum sind, wächst die Ausstellungsfläche. Mit dem Neubau will sich das Museum neu erfinden. Ziel ist „eine ganz klare Ausrichtung auf Fragen, die die gegenwärtige Stadtgesellschaft interessieren“.

Auch das JÜDISCHE MUSEUM wird umgebaut und erweitert, die Dauerausstellung komplett neu gestaltet. 50 Millionen Euro hat die Stadt dafür bereitgestellt. Dazu kommen 2,5 Millionen von Förderern und 2 Millionen vom Land. Der Entwurf für den Neubau stammt vom Berliner Büro Staab Architekten. Auch das historische Rothschildpalais am Main wird umgebaut. Bei der Wiedereröffnung 2018 soll das Museum doppelt so viel Fläche haben wie zuvor. Die neue Direktorin will die Vielfalt und Lebendigkeit der jüdischen Kultur in Deutschland zeigen, wie Mirjam Wenzel bei ihrem Amtsantritt im Januar sagte. Sie plant auch ein „Digitales Museum“, das Ausstellungsobjekte im Internet erlebbar machen soll. Der Außenstandort „Museum Judengasse“ wurde bereits in diesem März wiedereröffnet. Dort wird jüdische Geschichte bis 1800 präsentiert.

Das erste DEUTSCHE ROMANTIK-MUSEUM entsteht derzeit neben dem Goethehaus. Um die Finanzierung wurde lange gerungen – nachdem die Stadt ihren Anteil zunächst gestrichen hatte, stand das Projekt auf der Kippe. Nun aber ist alles in trockenen Tüchern. Noch in diesem Jahr solle der erste Spatenstich erfolgen, heißt es beim Bauträger, der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding. 16 Millionen Euro stehen zur Verfügung, verteilt auf Bund, Land, Stadt, Hochstift und Private. Das Haus nach Plänen des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler soll 2018 fertig werden, im August 2019 ist die Eröffnung geplant. Kern ist die Handschriften-Sammlung des Deutschen Hochstifts, das auch das Goethe-Haus betreibt. In dessen Archiv schlummern kistenweise Dokumente von Novalis, Brentano oder Eichendorff. Nur ein Drittel des Neubaus (600 Quadratmeter) ist für die Romantik eingeplant. Im Rest entstehen eine Gemäldegalerie der Goethezeit und Raum für Wechselausstellungen.

Auch das Naturkundemuseum SENCKENBERG platzt aus allen Nähten. Nicht weniger als 22 Millionen Sammlungsobjekte gehören zum Bestand. Bis 2020 soll das Museum umgebaut und erweitert werden - Abschnitt für Abschnitt, so dass auch während der Bauarbeiten Teile des Museum geöffnet bleiben können. Derzeit wird das Forschungsinstitut Senckenberg umgebaut - der Baubeginn im Museum steht noch nicht fest. In diesem Jahr soll der Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Mit dem Umbau wächst die Ausstellungsfläche von 6000 auf 10.000 Quadratmeter. Geplant ist, die Dauerausstellung in vier übergreifende Themen zu gliedern: Erde, Mensch, Kosmos, Zukunft. Die Wissenschaftler erarbeiten dafür gerade ein Konzept. Das neue Senckenberg soll 56 Millionen Euro kosten. Als nicht-städtisches Haus muss das Museum diese Summe komplett selbst aufbringen.

Das KINDERMUSEUM zieht um. Nach Interims-Jahren an der Hauptwache kehrt es ins Historische Museum zurück. Der Umzug ist für November 2016 geplant. Das neue Kindermuseum soll sich im Bernusbau auf drei Stockwerke erstrecken. Neben Wechselausstellungen soll es zehn Kreativ-Werkstätten geben, verrät das Kulturdezernat. Im Vergleich zu den vielen Neubauten kommt das Kindermuseum die Stadt billig zu stehen: 60.000 Euro Umzug, 350.000 Euro Neugestaltung.

In die frei werdenden Räume zieht Deutschlands erstes Techno-Museum, das Museum of Modern Electronic Music, kurz „MOMEM“. Die Stadt stellt die Räume mietfrei zur Verfügung, die Kosten von drei Millionen Euro muss der Trägerverein selbst aufbringen. Es soll nicht nur um Musik gehen, sondern auch um Mode, Design, Technik und vor allem um die Clubkultur, wie Gründungsdirektor Alexander Azary sagt: „Es geht uns um die gesamte Szene.“ Das MOMEM solle mehr sein als ein Museum, sagt Azary, eher ein Kulturzentrum. Nicht nur ein Ort, der an die Zeit erinnert, als Frankfurt die Hauptstadt des Techno war, sondern ein Ort „im Hier und Jetzt, der den Weg weist in die Zukunft“, wie Azary sagt. Tagsüber soll das MOMEM ein Museum sein, abends Veranstaltungsort. Als Eröffnungsjahr wird 2018 angepeilt.

dpa

Quelle: op-online.de

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