Kreis will halbleere Quartiere vermeiden

Flüchtlinge: Neues Modell bei Verteilung?

Dietzenbach - Angesichts des Rückgangs der Flüchtlingszahlen schlägt Landrat Oliver Quilling (CDU) ein neues Verteilungsmodell vor. Von Michael Eschenauer

„Denkbar wäre, dass eine Kommune eine Unterkunft mit geringer Belegung schließt und die Flüchtlinge in einer anderen Kommune unterkämen, die damit die Mindestbelegung erfüllen könnte“, so der Landrat gestern.  Hintergrund des Vorstoßes ist die Tatsache, dass wenn die Zahl der in einer Einrichtung lebenden Flüchtlinge unter eine bestimmte Marge sinkt, die Miete in den meisten Verträgen gleich bleibt, so dass die Kosten pro Flüchtling steigen. Dies würde durch die Neuregelung verhindert. Derzeit praktizieren der Kreis Offenbach und seine 13 Kommunen bei der Verteilung der zugewiesenen Flüchtlinge eine Quotenregelung, die sich nach Einwohnerzahl und sozialen Aspekten richtet.

Die Statistik offenbart, wie stark die Zahlen gesunken sind. Kamen im 4. Quartal des vergangenen Jahres 1032 und im 1. Quartal 2016 noch 1117 Flüchtlinge an, waren es im 2. Quartal dieses Jahres noch 297 Menschen. Im 3. Quartal soll der Kreis laut Regierungspräsidium insgesamt 285 Flüchtlinge aufnehmen, die in kommunalen und 17 kreiseigenen Unterkünften untergebracht werden müssten.

„Wir haben derzeit eine Verschnaufpause, aber wir beobachten die Entwicklung hochkonzentriert“, so Quilling. Es sei am 29. August exakt ein Jahr her, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts des Massenzustroms an schutzsuchenden Menschen zu der berühmten „Wir-schaffen-das“-Feststellung veranlasst gesehen habe. Die Flüchtlinge würden zwar mit Integrationsangeboten versorgt, so der CDU-Politiker, insgesamt sei Deutschland allerdings „relativ überfordert“ bei der Bereitstellung einer umfassenden Betreuung und entsprechenden Integrationshilfen.

Im ersten Halbjahr sind aus dem Kreis Offenbach 72 Flüchtlinge freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt. Generell gilt, dass Zuwanderer in diesem Fall vom Staat eine Beratung und je nach Land eine sogenannte Hilfsleistung für die Startphase erhalten. Diese liegt zum Beispiel für Afghanistan und Irak bei 375 Euro für ein Kind unter zwölf Jahren und bei bis zu 750 Euro für einen Erwachsenen liegen kann. Außerdem werden die Kosten für die Flüge erstattet.

Mit dem Rückgang der Flüchtlingszahlen habe sich der Schwerpunkt der Aufgaben verlagert, so Quilling. Im Mittelpunkt stehe jetzt nicht mehr die Beschaffung von Unterkünften, sondern die Integration der Asylbewerber. Allerdings stehen die meisten der Deutschkurse und Orientierungsangebote ausschließlich Flüchtlingen mit einer Bleibeperspektive offen. Afghanen, die rund 2000 der insgesamt 4000 Flüchtlinge im Kreis ausmachen, sind aufgrund dieser Regelung von Deutschkursen ausgeschlossen.

Die Basis der Integration bilden die vom Bund finanzierten Sprach- und Eingliederungskurse. Im vergangenen Jahr gab es derer rund 40, in diesem Jahr sind insgesamt 80 vorgesehen. Von den mindestens 600 Stunden Deutschunterricht pro Teilnehmer werden bis Jahresende rund 2400 Sprachschüler profitieren.  Der Kreis bietet neben den Integrationskursen Orientierungshilfekurse an. Der Unterricht läuft in den Gemeinschaftsunterkünften und umfasst etwa 80 Stunden plus Wiederholungen. Vergangenes Jahr gab es 50 Kurse mit 1000 Teilnehmern. Im ersten Halbjahr liefen bereits 40 Kurse; je nachdem wie groß die Nachfrage ist, soll es im zweiten Halbjahr wieder 40 Kurse geben.

Außerdem lernen viele junge Zuwanderer in Schulen Deutsch. Knapp 350 Flüchtlinge zwischen 16 und 18 Jahren besuchen 18 sogenannte InteA-Klassen (Integration und Abschluss), die an den Berufsbildenden Schulen angesiedelt sind. Für die jüngeren Schüler gab es zum Ende des vergangenen Schuljahres 47 Intensiv-Klassen.

Mit den verschiedenen Sprach- und Integrationsangeboten werden sich ab September zwei neue Bildungskoordinatoren beschäftigen, die der Kreis auf Basis einer Bundes-Förderung eingestellt hat. Die Fachleute untersuchen, welche Bildungsangebote ergänzt werden können, ob alle Zuwanderer erreicht werden und ob die Angebote effizient sind.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion