Frankfurter Museum Giersch hilft bei Suche nach Identität

Fragmente einer Geschichte der Goethe-Hochschule

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Bruchstücke der Goethe-Portaltafel am Jügelbau.

Frankfurt - Die am Boden liegenden Fragmente der Sandsteinplatten „Johann Wolfgang von Goethe-Universität“, noch vor Jahren über dem Hauptbau an der Bockenheimer Jügelstraße prangend, sprechen für sich. Von Reinhold Gries

„Dame in Blau“.

Da sucht eine unter anderem von Ferdinand Kramer im Bockenheimer Campus neu erbaute Uni nach sich selbst. Dabei hilft die Ausstellung des Universitätsarchivs im Museum Giersch weiter, das jetzt den Zusatz „der Goethe-Universität“ bekommen hat.  Auch Adrian Frutigers neues Museumslogo „GG“ für Goethe/Giersch soll da weiterhelfen. Stefan Bacyk hat daraus im beeindruckenden Goethe-Raum Paraphrasen gemacht mit übermalten Frutiger-Drucken, die für Goethes Zeit des Sturms und Drangs ebenso stehen wie für seine Zeit in der Weimarer Klassik. Spätestens seit dem 100-jährigen Gründungsjubiläum von Deutschlands erster und größter bürgerlicher Stiftungsuniversität 2014 hat man sich auf sich selbst besonnen, auf seine großen Wissenschaftler und Gründerväter, auf seine kritischen wie kreativen Köpfe, die nicht selten Weltgeltung errungen haben.

Da findet man leicht fassbares Informationsmaterial zum Sozialwissenschaftspionier Theodor Wiesengrund Adorno, neue Entwürfe zur „Corporate Identity“ oder auch Otmar Hörls poppige Goethe-Statuen für jedermann. Auch David Fahners Bronze-Büste von 1949 zeigt nach schmerzlichen Kriegserfahrungen endlich einen Goethe als Mensch, nicht als Genius. Das führt weiter, auch zu ziemlich reißfesten Studentenausweisen aus den 1920er Jahren, die sehr dunklen Zeiten vorausgingen. Auch die entsprechenden Passfotos stehen für die Historie der Hochschule bis hin in die Nazi-Zeit. Wie überaus korrekt es selbst in Krisen- und Kriegszeiten wie 1914-19 zuging, beweist ein sehr ordentlich und sauber geführtes Matrikelbuch.

100 Jahre Goethe Uni Frankfurt

Geschichtsforscher und Kunsthistoriker wie Enrico Dunkel aus dem Uniarchiv haben noch anderes aufgetrieben, um Identität zu stiften, so etwa den lange vermissten Marmorsockel von Christian Daniel Rauchs klassischer Goethe-Marmorbüste, die lange verschollene Bronzebüste von Universitäts-Gründervater und Oberbürgermeister Franz Adickes in der Version von Johann Josef Belz oder auch eine für die Entstehungszeit 1800 sehr selbstbewusst dreinblickenden „Dame in Blau“, die wohl unter Einfluss des napoleonischen Denkens so schauen darf. Überhaupt lassen die gezeigten Köpfe zur Uni wie der jeweiligen Zeit tief blicken.

„Köpfe der Goethe-Universität“ im Museum Giersch ist bis 28. August zu sehen, Di. bis Do. 12-19 Uhr, Fr. bis So. 10-18 Uhr.

Quelle: op-online.de

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