Am Freitag beginnt das beliebte Festival im nördlichen Günthersburgpark

Stoffel: Frankfurts große Gartenparty

+
Das Stoffel-Programm bietet immer wieder Überraschungen: Im vergangenen Jahr sorgte die Afro-Jazz-Künstlerin Yvonne Mwale für Aufsehen. Detlef Kinsler

Frankfurt - Ein Sommer ohne Stoffel ist eigentlich undenkbar. Seit 2004 bespielt das Stalburg Theater den nördlichen Teil des Günthersburgparks einen Monat lang mit viel Musik. Von Detlef Kinsler

Lesungen und Kinderprogramme runden das Angebot ab, das jährlich bei freiem Eintritt bis zu 100. 000 Besucher ins Grüne zwischen Nordend und Bornheim lockt.  Eines der schönsten Sommervergnügen in Frankfurt“, verspricht Filippo Tiberia, der Programmverantwortliche für die Musik beim „Stalburg Theater Offen Luft-Festival“ (STOFFEL). „Das Programm ist wieder sehr bunt und vielseitig zusammengesetzt, das künstlerische und musikalische Niveau hoch. Für jede und jeden sollte sich etwas finden lassen. Oder man begibt sich auf Entdeckungsreise, genießt die tolle Atmosphäre des Festivals.“ Wer die einmal erlebt hat, kann sich gar nicht vorstellen, dass die große Frankfurter Gartenparty nicht nur Freunde hat. „Wir wollen niemandem etwas Böses, wissen aber sehr wohl, dass eine solche Veranstaltung für einige Anwohner eine gewisse Belastung darstellt. Auf der anderen Seite machen wir sehr, sehr vielen Menschen eine große Freude, und die stellen eine Mehrheit dar“, sagt Tiberia selbstbewusst.

Als 2015 Beschwerden das Projekt auf Dauer auszubremsen drohten, gingen die Veranstalter in die Offensive. „Rund 200 Anwohner erhalten seit Jahren jedes Jahr vor Stoffel-Beginn ein Schreiben mit zwei Getränkegutscheinen, der Bitte um Verständnis und der Telefon-Hotline, falls es ihnen mal zu bunt wird“, erzählt Stalburg-Geschäftsführerin Petra Gismann. „Letztes Jahr bin ich direkt hingefahren und habe die Leute besucht, die sich beschwert hatten, was sehr nett war.“ Als Entgegenkommen wurde kurzfristig sogar eine Art Ruhetag, der „ruhige Montag“, festgelegt. Schließlich will man vier unbeschwerte Wochen in friedlicher Koexistenz verbringen.

Dafür wird von Seiten der Festivalmacher alles Erdenkliche getan. Die Lautstärke der Darbietungen wird ohnehin vor der ersten Veranstaltung eingemessen und versiegelt, das Gartenamt stellt mehr Abfallbehälter zur Verfügung, das Publikum wird darauf eingeschworen, seinen Müll selbst zu entsorgen und aufgrund der Parkplatzsituation lieber mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen. Zusätzlich gibt es erstmals auch einen „teilruhigen Dienstag“. „Mit einem Wortprogramm, gefolgt von Musik-Acts der eher ruhigen Sorte. Qualitativ leidet das Stoffel-Programm unter den Maßnahmen in keinster Weise“, erläutert Tiberia.

Für eine solche Energieleistung braucht es auch moralische Unterstützung. Eine am 24. Juni 2015 gestartete „Pro Stoffel“-Petition wies Ende des Jahres 14 0.00 Unterschriften aus. „Anfang 2016 ist sie an die Stadt übergeben worden. In persönlichen Briefen wurde uns vom Oberbürgermeister Peter Feldmann, dem Kulturdezernenten Felix Semmelroth und vom Ordnungsdezernenten Marcus Frank Unterstützung zugesagt.“ Gismann und ihren Mitstreitern kam es vor allem darauf an, „dass uns fraktionsübergreifend die Wichtigkeit des Stoffel für den Frankfurter Kultur-Sommer attestiert wurde“.Die Stadt unterstützt das Festival mit 14. 000 Euro. „Etwas mehr wäre schon eine Entlastung und eine zusätzliche Absicherung für den Fall, dass Stoffel mal ins Wasser fällt. Ansonsten hoffen wir natürlich weiterhin darauf, dass unser Publikum die roten Spendeneimer weiter füttert und kräftig konsumiert.“

Seit dem zehnten Jubiläum im Jahr 2013 wurde das Programm runderneuert. Schon lange ist das Festival kein regionales Phänomen mehr, Bands aus ganz Deutschland (und darüber hinaus) haben es als attraktive Plattform entdeckt. Plötzlich standen sogar Jazz und Weltmusik auf der Agenda. „Eine Band wie Three Fall wäre vor fünf, sechs Jahren beim Stoffel vermutlich undenkbar gewesen“, schwärmt Tiberia vom Trio, das mit Bassklarinette und Posaune interessant besetzt ist. „Mittlerweile weiß unser Publikum, dass es bei uns immer wieder spannende, neue Künstler zu entdecken gibt. Seit 2014 waren jedes Jahr über dreißig neue Künstler dabei“, betont Tiberia. Die „Frischzellenkur“ bescherte dem Publikum den Afro-Jazz von Yvonne Mwale, neu hinzu kommen diesmal unter anderem June Cocó mit ihrem Sophisticated Pop, der Max Clouth Clan mit indisch inspiriertem Fusion Jazz sowie die Singer/Songwriterin und Loop-Artistin Natszo. Stoffel-Festival vom 15. Juli bis 14. August im Frankfurter Günthersburgpark. Eintritt frei. Infos: www.stalburg.de.

Quelle: op-online.de

Kommentare