Der Brexit naht und Frankfurt lockt:

Grie Soß’ statt Fish and Chips

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Was dem einen seine Fish and Chips, ist dem anderen seine Grüne Soße. Wenn Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir jetzt bei Londons Bankern für die Mainmetropole wirbt, wird er sich bemühen, eines klarzumachen: Frankfurt liegt zwar in Deutschland, aber die Engländer und ihr Way of Life sind hier längst angekommen.

Frankfurt/Wiesbaden - Eine Delegation mit hessischen Regierungsvertretern hebt diese Woche in Richtung London ab. Ihr Ziel: Vom Brexit potenziell betroffene Banker ins Rhein-Main-Gebiet zu locken. Die könnten hier bereits auf einige Ansätze britischer Lebensart zurückgreifen. Von Isabell Scheuplein 

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) will in London kräftig die Werbetrommel rühren. An diesem Mittwoch macht er sich auf, um der Finanzwirtschaft in der britischen Metropole Frankfurt als neuen Standort schmackhaft zu machen. Die schwarz-grüne Landesregierung sieht Hessens größte Stadt als neuen wichtigsten EU-Bankenplatz, falls Großbritannien nach dem Brexit-Votum aus der EU ausscheidet sollte. Was könnte den Bankern von der Themse in der Stadt am Main gefallen, was eher nicht? Einige Überlegungen:

FISH AND CHIPS: Die Fische im Backteig, serviert mit frittierten Kartoffelstücken, sind das englische Nationalgericht. „Die fettigen Schwestern“ überschrieb „Zeit Online“ einen Artikel zum 150. Geburtstag des „Traumpaars der Fritteusen“. Lecker bedeutet aber auch: Mindestens 200 Kalorien pro 100 Gramm. Dagegen beinhaltet das Frankfurter Nationalgericht „Grie Soß“ haufenweise gesunde Zutaten, darunter sieben verschiedene Kräuter. Bei gewachsener Begeisterung lässt sich ein Ausflug zum Grüne-Soße-Denkmal in Oberrad unternehmen. Das leuchtet sogar bei Nacht.

FUSSBALL: Fußballfans haben in London eine reiche Auswahl an Proficlubs, darunter so bekannte Namen wie Arsenal und Chelsea. „Fußballmekka“ wird die Stadt deshalb auch genannt. Da kann Frankfurt nicht ganz mithalten. Doch auch in der Rhein-Main-Region besteht kein Mangel an spannenden Abstiegs- und Aufstiegskämpfen, derzeit gibt es hier drei Erstliga-Vereine. Notfalls befindet sich nur eine S-Bahn-Station hinter dem Stadion der Frankfurter Eintracht der größte deutsche Flughafen. Schon in etwa eineinhalb Stunden ist London von dort erreicht, Hin- und Rückflug für ein Match also durchaus machbar. Ersatzweise bietet sich ein Pub-Besuch mit Liveübertragung an, angeboten wird das auch mitten im Frankfurter Bankenviertel – inklusive einer großen Portion Fish and Chips.

KULTUR: Wer keinen Fußball mag, lässt sich meist von Kultur begeistern. Die reichhaltige Frankfurter Museen-Landschaft bietet mit ihrem Spektrum von Gemälde-, Skulpturen- und Ikonensammlungen bis zu moderner Kunst etwas für jeden Geschmack. Punkten kann die Mainmetropole sicher auch mit dem English Theatre, das damit wirbt, die größte Bühne auf dem Kontinent mit rein englischsprachigen Produktionen zu sein. So könnten sich die Londoner Banker unter die jährlich rund 70 000 Besucher mischen und – losgelöst von jeglichen Sprachproblemen – eine oder mehrere der rund 280 Vorstellungen pro Saison verfolgen. Zum Angebot zählen Komödien, Thriller und Musicals.

PFERDESPORT: Der Pferdesport hat in Großbritannien eine lange Tradition. In Frankfurt verspricht derzeit eher der Kampf um die Zukunft der Galopp-Rennbahn Spannung. Seit mehr als 150 Jahren werden dort bereits Pferderennen veranstaltet. Frankfurt hat das Rennbahn-Gelände im Wege eines Erbbaurechtes an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) übertragen, der dort ein Leistungszentrum errichten will. Aber der Renn-Klub will nicht aufgeben; mehrere Gerichtsverfahren sind anhängig.

BRITISCHE PRODUKTE: Nicht zuletzt beherbergt Hessen bereits 11 500 Briten. Für sie – und alle sonstigen Englandfans – gibt es bereits eine Infrastruktur aus Läden mit unverzichtbaren Produkten wie Tee, Gebäck, Wurst, Pudding, Orangenmarmelade, Cracker und Cheddar-Käse. Auch Bookshops mit englischer Literatur, Geschäfte mit ausgefallener Hutmode oder erlesenen Whisky-Sorten sind da. In Wiesbaden gibt es dazu Devotionalien der englischen Königsfamilie, darunter ein Tee-Ei mit einer Kunststoff-Queen als Griff. dpa

Quelle: op-online.de

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