Verurteilter Mörder

Häftling nimmt sich vier Tage Ausgang statt vier Stunden

Diez/Offenbach - Ein Straftäter kehrt vom vereinbarten Ausgang nicht zurück und meldet sich dann zweimal schriftlich. Schließlich stellt sich der 47-Jährige freiwillig.

Ein verurteilter Mörder hat erneut einen Ausgang aus dem Gefängnis in Diez zur Flucht genutzt. Anders als im Juni kehrte der Straftäter in der vergangenen Woche freiwillig wieder zurück, wie ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Offenbach bestätigte. Zuerst hatte die "Rhein-Zeitung" über den Vorfall berichtet. Der 47-Jährige war 2001 vom Landgericht Darmstadt zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach der Verbüßung von 15 Jahren genoss er die in solchen Fällen übliche Lockerung der Haftbedingungen. So gab es für den Mann am Dienstag vergangener Woche die Möglichkeit zu einem unbegleiteten Ausgang. Allerdings war er nach der vorgesehenen Dauer von vier Stunden auf einmal verschwunden.

Die Behörden leiteten daraufhin eine Fahndung ein und unterrichteten die sonst noch zuständigen Stellen. Ungewöhnlich ist, dass der Straftäter sich in zwei Briefen bei der JVA Diez meldete. Im ersten Schreiben kündigte er an, dass er sich an einem von ihm bevorzugten Ort das Leben nehmen wolle. Im zweiten Brief stellte er nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur seine Rückkehr in Aussicht. Am Samstagmorgen, dem vierten Tag nach der Flucht, kam er schließlich wieder ins Gefängnis zurück. Anfang Juni war ein ebenfalls 47 Jahre alter Häftling der JVA Diez bei einem begleiteten Freigang in Limburg an der Lahn geflohen. Er wurde erst Anfang August in Brüssel wieder festgenommen. Justizminister Herbert Mertin (FDP) hatte danach den begleiteten Ausgang des Mannes verteidigt und erklärt, das Ministerium habe der Lockerung zugestimmt.

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Vor einer Haftentlassung gibt es verschiedene Arten von Lockerungsmaßnahmen. Zunächst dürfen die Straftäter nur mit einer Aufsichtsperson nach draußen - erst Anstaltspersonal, dann auch in Begleitung von Angehörigen. Schließlich folgt der unbegleitete Ausgang: erst für ein paar Stunden, dann auch über Nacht. Ein Freigang ist möglich, wenn der Häftling regelmäßig einer Arbeit außerhalb des Gefängnisses nachgeht. In diesem Jahr gab es bisher mehr als 39 000 solcher Ausgänge und Hafturlaube. Dabei kehrte der Häftling in 0,03 Prozent der Fälle nicht in der vereinbarten Zeit zurück, wie das Justizministerium Ende August mitteilte. dpa

Quelle: op-online.de

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