Der Schnatz am Hosenbund

Harry Potter lässt grüßen: Quidditch-WM in Frankfurt

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Quidditch in der Realität: Der „Zauberbesen“, in Wirklichkeit ist das ein Plastikstab aus dem Baumarkt, muss immer zwischen den Beinen bleiben.

Frankfurt -  Eigentlich wird Quidditch von der Romanfigur Harry Potter und seinen Mitschülern an der Zauberschule Hogwarts gespielt. Doch längst gibt es den Mannschaftssport in der Realität. In Frankfurt wird seit 2014 trainiert. Von Amelie Buskotte 

Dieses Jahr findet sogar die Weltmeisterschaft in der Mainmetropole statt. Am Samstag und Sonntag treten gut 20 Teams aus aller Welt gegeneinander an. Nina Heise hat viel zu tun momentan. Die 23-Jährige hat vor kurzem ihr Studium beendet, arbeitet in einer PR-Agentur in Frankfurt und ist nebenbei auch noch Quidditch-Trainerin, Quidditch-Nationalspielerin und Präsidentin des Deutschen Quidditchbundes. Was nach Harry Potter - dem bekannten Zauberlehrling aus den gleichnamigen Büchern und Filmen - und sehr viel Fantasie klingt, ist für Heise Passion. Im Auslandssemester im englischen Southhampton lernte sie den Sport an der dortigen Uni kennen. „Allein im fremden Land habe ich es einfach ausprobiert“, erzählt sie.

Wie läuft ein Spiel, bei dem man in der Zaubererwelt auf fliegenden Besen Tore macht und dabei aufpassen muss, nicht von sogenannten Klatschern getroffen zu werden, im Hier und Jetzt? „Quidditch ist eine Mischung aus Handball, Völkerball und Rugby“, erklärt Nina Heise. Zwei Teams treten gegeneinander an. Dabei besteht eine Mannschaft aus drei Jägern, die versuchen, den Quaffel, eine Art Ball, durch die gegnerischen Torringe zu werfen. Dazu zwei Treiber, die die gegnerischen Jäger zu blockieren und abzuwerfen trachten, ein Hüter, der das Tor bewacht und - ab der 18. Minute, wenn der Schnatz hinzukommt, ein Sucher. Der goldene Schnatz - bei Harry Potter ein fliegender, sehr kleiner Ball - ist in der realen Welt eine Person, die einen Tennisball in einer Socke am Hosenbund trägt. Wenn der Schnatz gefangen wird, ist das Spiel vorbei.

Ballsport hatte Heise bis zu ihrem Auslandssemester nie getrieben. Zurück in Frankfurt war für die langjährige Dressurreiterin klar, dass sie dem Sport treu bleiben will. An der Goethe-Uni hat es dann aber eine Weile gedauert, bis sie genügend Spielkameraden zusammen hatte. „Viele haben meinen Aushang ‚Quidditch-Spieler gesucht’, wohl doch nicht ganz ernst genommen“, sagt sie schmunzelnd. Im Juni 2014 konnte sich das Team - die „Mainticores“ - rund um Heise dann aber gründen. Seitdem trainiert eine Gruppe von gut 15 Leuten zweimal in der Woche unter Anleitung von Heise im Günthersburgpark.

Heute ist Heise im Nationalteam vertreten. Das bedeutet für die junge Frau, jetzt so kurz vor der Weltmeisterschaft am Wochendende, zusätzliche Trainingseinheiten. Über 20 Mannschaften werden sich im Juli in der, in Deutschland noch unbekannten Sportart messen. Mit dabei sind Teams aus Mexiko, Australien, den USA und vielen europäischen Ländern. „Es ist toll, dass wir die WM nach Deutschland und dann auch noch nach Frankfurt holen konnten, freut sich Heise. Zwei Tage wird auf der Rasenfläche des Rebstockgeländes gespielt. „Der Einzug ins Viertelfinale wäre ein voller Erfolg“, sagt die Sportlerin zu den Chancen des deutschen Teams. Die USA gelten als klare Favoriten. „Die haben am längsten Erfahrung, und Quidditch ist dort schon besser etabliert.“

Fotos: Teams trainieren für Quidditch-WM in Frankfurt

Die Teams müssen geschlechtergemischt sein. „Das schreckt einige am Anfang ab“, sagt Heise. Denn beim Quidditch kann es schon einmal ganz schön hart zugehen. „Es gibt sehr viel Körperkontakt, aber da muss man sich gerade als Frau einfach durchsetzen.“ Trainiert wird außerdem immer draußen, auch im Winter und bei Schnee. „Das geht schon, da muss man sich halt wärmer anziehen“, sagt sie pragmatisch. Das Regelwerk der International Quidditch Association, nach dem auch während der WM gespielt wird, hat mittlerweile mehrere hundert Seiten. „Quidditch wird immer sportlicher. Alte Harry-Potter-Regeln, wie etwa das Tragen eines Capes, sind längst weggefallen“, sagt die Quidditchspielerin, die die Position des Treibers innehat. Die Besen zwischen den Beinen, Plastikrohre aus den Baumarkt, aber sind geblieben. „Das ist einfach ein Handicap, das das Spiel ein bisschen schwieriger macht“, erklärt Heise. Denn während des Spiels müssen die Rohre die ganze Zeit zwischen den Beinen bleiben.

Es ist Training angesagt an diesem heißen Abend im Günthersburgpark. Heise weiß, wie sie ihr Team trotz der schwülen Hitze anspornen kann. Sie hat Strategien und Trainingsmodule ausgearbeitet, analysiert fremde Spiele, um gute Spielzüge zu übernehmen. „Auch Fußball und Handball schaue ich mittlerweile mit ganz anderen Augen“, sagt sie.

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Quelle: op-online.de

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