Feuchtes Wetter ideal für Stechmücken

Hoffen auf 270 Tonnen Schnakentod

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Speyer - Die Stechmücken am Oberrhein haben durch den kräftigen Frühjahrsregen reichlich Starthilfe erhalten. Nun machen sie sich vielerorts bemerkbar – und die Bekämpfer der Schnaken, wie die Plagegeister landläufig heißen, kommen kaum hinterher.

„Wir müssen bei der Bevölkerung um Verständnis bitten“, sagte der wissenschaftliche Direktor der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS), Norbert Becker. „Im Moment spürt man natürlich die Mücken. “ Das sei Folge des Hochwassers, werde sich aber in einigen Wochen ändern, versichert er. Beckers Helfer sind nach seinen Angaben derzeit morgens bis abends im Einsatz. „Das geht an die Substanz.“

Der Mammut-Einsatz trifft die KABS exakt 40 Jahre nach ihrer Gründung. Am 11. März 1976 wurde der Verein im badischen Philippsburg ins Leben gerufen – um die „Schnakenplage“ mit umweltschonenden Methoden einzudämmen. Die Tiere legen ihre Eier am Ufer und in den Auen ab, wenn das Wasser steigt und sie überspült, schlüpfen die Larven. Heute gehören der KABS 97 am Rhein gelegene Gemeinden und Kreise sowie die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz an. Das 2,7 Millionen Einwohner zählende Gebiet reicht von Bingen beziehungsweise dem Rheingau im Norden bis zum Kaiserstuhl im Süden. Bekämpft werden die Larven mit dem biologischen Mittel b.t.i., das von Helfern am Boden oder vom Hubschrauber aus verteilt wird.

So intensiv wie jetzt sei noch keine Saison gewesen, sagte Becker. „Seit dem 20.  April sind wir nonstop im Einsatz“, sagte er. „Eine Hochwasserspitze jagt die andere.“ Bislang seien es zehn gewesen. Zwar habe es schon einmal ein Jahr mit zwölf Spitzen gegeben, aber dieses Jahr sei außergewöhnlich, weil die Überschwemmungen so lang anhielten. Das erschwere stellenweise die Bekämpfung am Boden.

Auch deshalb ist permanent ein Hubschrauber im Einsatz. Er ist an einem Tag zwischen dem hessischen Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblauchsaue (Kreis Groß-Gerau) und dem südhessischen Lampertheim im Einsatz, am Tag darauf fliegt er vom Kaiserstuhl nach Rastatt und tags darauf ist die Gegend von Römerberg bis Wiesbaden dran. Bislang seien 270 Tonnen b.t.i. ausgebracht worden, im ganzen letzten Jahr waren es 200 Tonnen.

Neben den Rheinschnaken machen sich auch die Hausmücken bemerkbar, die zum Beispiel in Regentonnen nisten. Auch die japanische Buschmücke kann sich in diesen Behältern vermehren. Sie kann das West-Nil-Virus übertragen. Die Infektion kann zu grippeähnlichen Beschwerden und zu lebensgefährlichen Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute führen.

Unendlich viel gefährlicher sei die Asiatische Tigermücke, die 23 Virusarten übertragen könne, darunter Dengue-Fieber. Diese Krankheit kann zu hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen führen und bei geschwächten Menschen tödlich enden. Sie wurde in Heidelberg und Freiburg nachgewiesen. „Wir geben alles, um die Tierchen wieder loszuwerden.“ In diesem Jahr habe sich die Tigermücke aber wegen der Kühle „nicht so entwickelt“. (dpa)

Quelle: op-online.de

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