Unterwegs ins Abenteuer

hr-Bigband wandelt auf Spuren von Louis Armstrong und Co.

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Musikalische Liebesbeziehung: die hr-Bigband und ihr Chefdirigent Jim McNeely (Mitte)

Frankfurt - Die hr-Bigband begibt sich in der nächsten Konzertsaison auf Reisen: Von Frankfurt aus geht es unter anderem ins New York der 1920-er Jahre, in die Schweiz und den Libanon. Von Detlef Kinsler 

Jim McNeely liebt seine hr-Bigband. Da flog er auch mal für eine Pressekonferenz von New York aus ein. Zur Vorstellung der Saison 2016/2017 war der Chefdirigent des Ensembles allerdings per Skype zugeschaltet. Frisch und bestens aufgelegt, obwohl es in New Jersey erst 5 Uhr morgens war. „Kein Problem“, kommentierte McNeely lachend. „Früher, in meinem alten Leben, haben wir ja auch bis morgens um Vier in den Clubs gespielt.“ In seiner sechsten Spielzeit wird der 67-Jährige sechs Projekte als Arrangeur betreuen. „Eine Reise von Louis Armstrong bis Nik Bärtsch mit einigen faszinierenden Zwischenstopps“ heißt das Motto. Wie geschaffen für einen Vollblutmusiker wie McNeely, der nach wie vor das Abenteuer sucht. „Ich möchte Musik aus unterschiedlichen Genres mit der Stimme der Bigband interpretieren“, formuliert der Orchesterleiter den Anspruch an seine Arbeit. „Wenn etwas nicht offensichtlich nach einem Bigband-Sound verlangt, empfinde ich das als besondere Herausforderung.“

Die gemeinsame Reise mit seinen siebzehn Musikern geht da los, als Louis Armstrong in die Band von Fletcher Henderson einstieg. „Satchmo goes Big Apple“ heißt die Erinnerung an die Zwanzigerjahre. Und der Trip endet in der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Pianisten Nik Bärtsch und dessen „Ritual Groove Music“. „Bärtsch fusioniert dafür Jazz, Funk, moderne klassische und rituelle japanische Musik“, schwärmt McNeely.

Die Zwischenstopps versprechen nicht minder spannende Begegnungen. Der libanesische Trompeter Ibrahim Maalouf lässt seine Hommage an die „ägyptische Maria Callas“, Umm Kulthum, von McNeely arrangieren. Und zwei Bassisten bekommen ihre besondere Würdigung, zum einen der Tieftöner der hr-Bigband, Thomas Heidepriem, der in seiner letzten Spielzeit seinen eigenen, „Coltrane, Zawinul, Marsalis & More“-Abend mitgestalten kann, zum anderen der legendäre Dave Holland.

So wirkt Musik auf unseren Körper

„Holland ist seit 45 Jahren einer meiner ganz großen Helden“, freut sich McNeely. Hier wird nicht nur der herausragende Instrumentalist gewürdigt, sondern auch der Komponist, der schon mit eigenen Bigbands gearbeitet hat. Umso stolzer ist McNeely, dass er die Stücke neu orchestrieren darf.

Olaf Stötzler, der Orchestermanager, unterstreicht nur allzu gerne die stilistische Vielfalt seiner Bigband und die große Bandbreite an Musik, die sie zu spielen vermag und sieht eine seiner Hauptaufgaben in der Organisation darin, „die richtige Musik vorm richtigen Publikum in den richtigen Spielstätten“ anzubieten. Auf ein Projekt weist Stötzler noch besonders hin. Das 47. Deutsche Jazzfestival in der Alten Oper zeugt von Experimentierfreude. Das komplette Beatles-Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ wird dann dem Jazz zugeführt.

Quelle: op-online.de

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