Im ICE-Werk Frankfurt-Griesheim werden die Züge wieder sauber

Pro Bundesligaspiel zehn Säcke voller Müll

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Reinigungskolonnen wuseln durch die Gänge. Für die Sitze gibt es ein Gerät, das die Polster gleichzeitig durchspült und absaugt.

Frankfurt - Der Regionalzug ist gerade zum Stehen gekommen - und schön nähert sich die Putzkolonne: acht starke Männer bepackt mit Staubsauger, Putzeimern und jeder Menge bunter Mülltüten. Von Nathalie Bockelt

Die Urlaubszeit ist vorbei, das Schuljahr in vollem Gange, auch die ersten Bundesliga-Partien sind bereits gespielt worden. Es gibt viel zu tun für Christoph Bolle, den Leiter der Fahrzeugreinigung im ICE-Werk Frankfurt-Griesheim, und seine Mitarbeiter. Zunächst steigen die „Sackleute“ ein und sammeln Zeitungen, Verpackungen und anderen Müll auf. Anschließend wuseln die Männer mit Lappen und Putzwasser durch die Gänge, um Fenster, Ablagen und den Boden zu säubern. Für die Sitze gibt es ein Extraktionsgerät, das die Polster gleichzeitig durchspült und absaugt. „Wir nutzen keinen Schaum“, sagt Bolle. Denn der könne gerade im Sommer den Fahrgästen am Hintern kleben bleiben. Die Toiletten werden erst am Ende geputzt.

72 Minuten brauchen die acht Mitarbeiter für die Grundreinigung, allerdings hat jeder Fahrzeugtyp eigene Zeiten. Zum Vergleich: Die Grundreinigung eines ICE beschäftigt 14 Mitarbeiter ganze sechseinhalb Stunden lang. „Die Inneneinrichtung ist anders und der Teppich ist natürlich aufwendiger“, sagt Bolle. 400 Wagen werden pro Tag im ICE-Werk in Frankfurt-Griesheim gereinigt. Dazu gehören neben den ICEs der Baureihen 406, 407 und 415 auch die hessischen Regionalzüge der Bahn. Die Hessische Landesbahn (HLB) hat ebenfalls einen Vertrag mit dem Werk. Denn seit einigen Jahren versucht die DB Services GmbH, die das Werk betreibt, sich unabhängiger vom Mutterkonzern zu machen.

Griesheim ist ein sogenanntes Leitwerk, fünf davon gibt es in Deutschland. „Einmal am Tag erwischen wir jedes Fahrzeug irgendwo in der Bundesrepublik für eine Reinigung“, sagt Bolle. 94 Mitarbeiter arbeiten im Zwei-Schicht-Betrieb, entweder von 8 bis halb 5 oder von 21 Uhr an durch die Nacht bis morgens um halb 6. Während der Rushhour ist im Werk nicht viel los, da die meisten Züge auf der Strecke sind. Doch was, wenn ein Zug liegenbleibt oder Verspätung hat? Kein Problem für Bolle. „Kleine Planabweichungen haben wir täglich.“ In Frankfurt könne man wegen der großen Anzahl an Zügen gut umplanen.

Neben der Halle rollt eine verstaubte, doppelstöckige Regionalbahn auf das Waschgleis. Dort wird der Zug auf 300 Metern wie in einer Autowaschanlage zunächst eingeschäumt und dann geschrubbt. Was die Anlage nicht erreicht, muss ein Mitarbeiter mit Besen und Lauge nacharbeiten. Frauen sucht man im Bereich der Fahrzeugreinigung meist vergeblich: Unter den 170 Mitarbeitern im Großraum Frankfurt gibt es gerade mal zwei weibliche. „Der Beruf ist eine traditionelle Männerdomäne“, erklärt Bolle. Die Arbeit sei körperlich sehr schwer. Zurück im Werk trifft Bolle Davut Yikilmaz, der als Qualitätsprüfer arbeitet. Dieser läuft gerade mit einem Kollegen der DB Regio Hessen eine gereinigte Regionalbahn. „Für das ungeübte Auge sieht das sauber aus“, sagt Bolle. Doch in das Prüfprogramm, eine App auf seinem Firmen-Smartphone, tippt Yikilmaz ein, welche Ecken noch nicht sauber genug sind. „Jeder Fahrgast hat sein persönliches Sauberkeitsempfinden“, erklärt Bolle. Doch das zu berücksichtigen, sei an manchen Tagen schwieriger als an anderen. Besonders schmutzig seien die Züge oft nach Bundesliga-Spielen. Mit Eintracht Frankfurt und dem SV Darmstadt 98 sorgen gleich zwei Vereine in der Region regelmäßig für volle Sonderzüge. Die Fans kennen kein Pardon: Bierflaschen, Essensreste oder zerschlagenes Inventar begegnen den Mitarbeitern immer wieder. „Da holen wir selbst aus einem kurzen Zug zehn Säcke Müll raus.“ Doch auch Bolle hat eine Schmerzgrenze. „Für mutwillig verdreckte Züge fehlt mir jedes Verständnis“, sagt er ärgerlich. Vor seiner Mannschaft könne er da nur den Hut ziehen. (dpa)

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Quelle: op-online.de

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