„Auf Beerdigungen muss ich immer lachen“

Till Brönner und Klaus Hoffmann im Rheingau

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Till Brönner & Friends.

Wiesbaden - In ihrem Genre sind sie unschlagbar. Jetzt wagten die seit glorreichen Berliner Zeiten befreundeten Till Brönner und Klaus Hoffmann einen Schulterschluss. Von Klaus Ackermann

Mit hochkarätigem Jazz und tief gründenden Liedern siegten sie im ausverkauften Wiesbadener Kurhaus auf ganzer Linie. In einer Eigenproduktion des Rheingau Musik Festivals, die sicher keine Eintagsfliege bleiben wird. Los geht’s mit einer Happy Music, die spontan fröhlich stimmt. „Will Of Nature“ heißt der Brönner-Titel, über den auf hohem abstrakten Level improvisiert wird, rhythmisch funky und immer irdisch verortet. Um gleich eine jener Balladen anzustimmen, die Brönner melodisch sparsam in den Miles-Davis-Himmel hebt. Ein Trompeter der kammermusikalisch zu spielen versteht, aber auch über einen kräftigen Strahl verfügt. Und sich mit seinem Saxophonisten Magnus Lindgren, der sein Instrument auch elektronisch aufpeppt, ein spannendes „Battle“ liefert, bei denen E-Bassist Christian von Kaphengst und Drummer David Hayes für geziemenden Groove sorgen.

Schon beifällig empfangen, erweist sich der Bühnen- und Filmschauspieler Klaus Hoffmann als Liedermacher von altem Schrot und Korn, der seine Liebe zu Berlin ironisch auf Distanz bringt. „Wenn ich’s hier schaff, schaff ich‘s überall“, heißt ein Lied auf die 68er, das Milieu und jugendliche Befindlichkeiten sprachlich kraftvoll zeichnet. Die Brönner-Combo liefert dazu in Lindgren-Arrangements eine jazzige Garnitur. Auf gleicher Höhe sind die redseligen Brönner und Hoffmann auch bei ihren lockeren, Pointen-sicheren Moderationen. Letzterer legt einen herrlich ironischen Sylt-Blues auf, in dem es immer regnet, wenn die Liebste fern ist, der aber auch Hoffmanns Stammkneipen besingt. Freibier dürfte garantiert sein. In seinem Element ist der Liedermacher in den Jacques Brel-Adaptionen wie „Ne me quitte pas“ – „Bitte geh‘ nicht fort“, vom Pianisten Jasper Soffers feinfühlig untermalt.

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Ein Jazzer, der Gedankenlyrik improvisatorisch weiterspinnt, ein Liedermacher, der seine Klampfe swingend traktiert, und gute Unterhaltung ist abendfüllend angesagt. Augenzwinkernder Charme spielt beim finalen Duett von Trompeter und Liedermacher mit, die übereinstimmend feststellen: „Auf Beerdigungen muss ich immer lachen.“

Quelle: op-online.de

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