Vor drei Jahren begannen fast zwei Dutzend Spanier in Nordhessen eine Ausbildung

„Job of my life“: Nur wenige kamen durch

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Der Spanierin Maria Del Rosario Julian Paradinas fehlt die Sonne. Aber jetzt ist sie gelernte Hotelfachfrau.

Willingen - Der blaue Himmel über Willingen könnte schöner kaum sein – doch Maria del Rosario Julian Paradinas, genannt Rosa, sagt: „Der größte Unterschied ist das Wetter. Da bin ich manchmal deprimiert. “ Seit rund drei Jahren ist die 30-Jährige in Nordhessen. Von Timo Lindemann 

Im Sauerland Stern Hotel hat sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert. In Spanien hatte sie ihren Job als Buchhalterin verloren und dann von dem Projekt „Job of my life“ gehört, an dem auch Betriebe in Willingen teilnahmen. „Ich dachte mir: Warum nicht? Am Anfang war auch die Sprache ein Problem, aber jetzt ist alles besser.“. Insgesamt 21 spanische Azubis aus der Region Madrid hatten ihre Ausbildung in der Willinger Gastronomie zum 1. September 2013 begonnen, 13 von ihnen waren nach einem Jahr noch da. Nur fünf haben die Ausbildung in diesem Jahr erfolgreich beendet, darunter auch Rosa. Einige andere Spanier können dies noch in der Nachprüfung schaffen.

Viele aber brachen die Ausbildung ab. Gründe dafür seien Heimweh gewesen oder aber Notfälle in der Heimat. Ein Pärchen habe sich nach Berlin verabschiedet, um dort in anderen Berufen zu arbeiten, sagt Dieter Pollack von der Wirtschaftsförderung Willingen. „Stadtmenschen zieht es oft zurück in die Metropolen.“ Pollack hat die Idee der Spanier in Nordhessen mit auf den Weg gebracht. Willingen ist vor allem bekannt durch das Skigebiet und den Skisprung-Weltcup. Die Gemeinde zählt pro Jahr rund eine Million Übernachtungen. Katja Kremser-Stuhldreier, Direktorin des Sauerland Stern Hotels, sieht die Schwierigkeiten vor allem in der unterschiedlichen Mentalität. „Sie mussten sich eingliedern. Am Anfang waren sie unpünktlich. Es hat gedauert, bis sie im Rhythmus waren.“ Auch Pollack erzählt, wie die jungen Spanier Hilfe benötigt hätten bei Fernsehgebühren, Mietkaution oder Wohnungskündigung. Das Hotel habe all das organisieren müssen, wobei sonst Eltern behilflich sind. Auch die Anwesenheit bei Sprachschule und Berufsschule war oft ein Problem, wie Pollack sagt.

Nach Ansicht der Handwerkskammer Frankfurt/Rhein-Main sind für Bewerber zunehmend die Attraktivität des Standorts sowie die Berufe ausschlaggebend – und die Mobilität. „Für Azubis ohne Führerschein sind teilweise die Berufsschulen oder überbetrieblichen Ausbildungsstätten sehr schwer erreichbar“, sagt IHK-Sprecherin Elisa Pohland.

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Auch für Jobs in der Pflege waren Spanier nach Hessen gekommen – allerdings nicht im Zuge dieses Projekts. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) betont: „Die Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen hat sehr gut funktioniert. Entscheidend ist der Impuls, der davon ausgegangen ist, denn alle haben Erfahrung sammeln können und setzen diesen Weg nun auch außerhalb des Modells fort.“ Um internationalen Fachkräften ihren Start in Hessen zu erleichtern und die Wirtschaft bei der Deckung ihres Fachkräftebedarfs zu unterstützen, gibt es seit Juli 2013 das Welcomecenter Hessen in Frankfurt. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des Sozialministeriums und der Frankfurter Regionaldirektion der Agentur für Arbeit in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. dpa

Quelle: op-online.de

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