IS auf dem Nummernschild 

Kennzeichen mit heiklen Buchstaben

Frankfurt - So manche Buchstabenpaare sind auf Nummernschildern verboten. Etwa solche aus der NS-Zeit. Doch das Weltgeschehen macht auch andere Initialen plötzlich heikel. Zum Beispiel „IS“.

Einige Zulassungsstellen in Hessen vergeben diese Kombination aktuell nicht mehr – zum Beispiel der Kreis Marburg-Biedenkopf. Die interne Entscheidung sei vor dem Hintergrund gefallen, dass „IS“ auch als Abkürzung für die Terrormiliz Islamischer Staat gelesen werden könne, sagt ein Sprecher der Zulassungsbehörde. Auch Darmstadt wird künftig keine „IS“-Kennzeichen mehr ausgeben. In anderen Kommunen und Kreisen gibt es dagegen keine Einschränkungen. „Das ist hier kein Thema“, sagt Martina Fuchs vom Bürgerbüro Offenbach. Aktuell seien dort 34 Kennzeichen mit „IS“ registriert. „Das ist sehr überschaubar“, verdeutlicht Fuchs. Es gebe 9 500 freie Schilder mit dem Kürzel, keines sei reserviert. „Die zugelassenen Kennzeichen sind Initialien-Geschichten“, sagt sie. Eine Einschränkung könne höchstens vom Land erlassen werden, nicht im Alleingang der Städte

Ähnlich sieht das auch Frank Walzer, Pressesprecher der Zulassungsbehörde Main-Kinzig-Kreis. Bei den Fahrzeugen ließe sich die Wahl für die „IS“-Buchstabenkombination in den meisten Fällen mit den Initialen des Halters in Verbindung bringen. „Insofern gibt es für den Main-Kinzig-Kreis keinen dringlichen Grund, eine Einschränkung zu schaffen“, verdeutlicht der Sprecher. Dass „IS“ auf den Index kommen könnte – daran denkt auch in Fulda keiner. „Aber das ist ein Thema, über das man grübeln kann“, sagt der Leiter der Zulassungsstelle, Thorsten Weber. „Die Frage ist, ob das nicht ausufert.“ Unklar sei auch, wie mit der Frage des Bestandschutzes verfahren werde. „Was machen wir mit Leuten, die schon mit ,IS‘ durch die Gegend fahren?“, fragt Weber.

In Wiesbaden gibt es ebenfalls keine Pläne, die Kennzeichen nicht mehr zu vergeben – das sei Ländersache. Nach Angaben des zuständigen Verkehrsministeriums regelt ein bundesweiter Erlass, welche Lettern auf Nummernschildern tabu sind. Auf Landesebene seien derzeit aber keine weiteren Verbote geplant, sagte ein Sprecher. Dem Erlass zufolge sind nicht erlaubt: NS (Nationalsozialismus), SS (Schutzstaffel), SA (Sturmabteilung), SD (Sicherheitsdienst), KZ (Konzentrationslager) und HJ (Hitlerjugend) – also Kombinationen, die im Zusammenhang mit der Nazi-Zeit stehen.

Die Zulassungsbehörden haben aber einen eigenen Spielraum bei der Vergabe von Buchstaben. So entschied denn auch vor Kurzem die nordrhein-westfälische Großstadt Düsseldorf, keine Autokennzeichen mit „IS“ mehr auszugeben. Die Details zu Kfz-Kennzeichen regelt bundesweit die Fahrzeug-Zulassungsverordnung. Darin heißt es unter anderem, dass Buchstabenkombinationen „nicht gegen die guten Sitten“ verstoßen dürfen. Die Stadt Frankfurt vergibt weiterhin „IS“ bei Autokennzeichen, wenn vom Halter ausdrücklich gewünscht, heißt es beim Ordnungsamt der Mainmetropole. Keine Einschränkungen auch in Kassel oder in den Kreisen Darmstadt-Dieburg und Offenbach. In Darmstadt-Dieburg habe es seit dem 1. Januar sechs Zulassungen mit „DA-IS“ und vier mit „DI-IS“ gegeben, teilte ein Kreissprecher mit. „Das ist kein besonders beachtlicher Wert, und in den meisten der zehn Fälle hatte die Kennzeichen-Wahl eher mit den Namensinitialen der Zulassenden zu tun.“ (dpa/eml)

Quelle: op-online.de

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