Richter befassen sich zum zweiten Mal mit Fall

Kleinkind beinahe verhungert: Mutter erneut vor Gericht

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Jennifer M. steht zum Prozessauftakt am Landgericht beim Einzug des Gerichts neben ihrem Anwalt. Die Angeklagte soll ihre Tochter in Lebensgefahr gebracht haben.

Marburg - Eine 26-Jährige soll ihr Kind so sehr vernachlässigt haben, dass es fast gestorben wäre. Nun befassen sich Richter ein zweites Mal mit dem Fall. Sie müssen die Frage klären: War es versuchter Mord?

Eine Mutter soll ihrer kleinen Tochter nicht genug zu essen gegeben und das Kind so in Lebensgefahr gebracht haben. Das ein Jahr alte Mädchen wäre Anfang 2012 im mittelhessischen Gladenbach beinahe verhungert und musste im Krankenhaus gerettet werden. Die 26-Jährige steht deswegen seit gestern erneut vor Gericht. In einem ersten Verfahren war sie unter anderem wegen versuchten Totschlags zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof ordnete aber eine neue Verhandlung an. Das Marburger Landgericht muss nun klären, ob auch versuchter Mord in Betracht kommt und ob die Mutter wegen einer seltenen Blutkrankheit, die unter anderem zu großer Erschöpfung führen soll, vermindert schuldfähig war.

Die 26-Jährige machte zu Beginn des neuen Prozesses keine Angaben und brach mehrfach in Tränen aus. Dem ersten Urteil zufolge hatten Mitarbeiter des Jugendamtes das auf 3600 Gramm abgemagerte und mit Kot verschmierte Kind aus der Wohnung geholt. Ohne die dann folgende intensivmedizinische Behandlung wäre das Mädchen in den nächsten ein bis zwei Tagen gestorben, hieß es vor Gericht. Die 26-Jährige hatte sich damals allein um die Einjährige und ihre zweite - ältere - Tochter gekümmert. Wenige Monate zuvor war es zur Trennung von ihrem Mann gekommen. Die beiden Mädchen leben mittlerweile bei den Schwiegereltern der Angeklagten. Den Kindern gehe es sehr gut, berichtete die 45 Jahre alte Oma. Dass sie sich um die Kinder kümmere, sei eine Selbstverständlichkeit: „Sie sind meine Enkelinnen.“ Das Urteil wird heute erwartet.

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dpa

Quelle: op-online.de

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