Schwetzinger Koproduktion „Veremonda“ in Mainz

Königin mit Amazonenschar

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Verträumter König und resolute Hofdamen mit Maschinengewehr bei „Veremonda, L’amazzone di Aragona“

Mainz - Das Musiktheater Francesco Cavallis birgt die ganze Welt. Im Staatstheater Mainz ist die Bühne seiner 1652 in Venedig uraufgeführten Oper „Veremonda, L’amazzone di Aragona“ eine zweigeteilte, wie Frauen und Männer, Orient und Okzident, Krieg und Wissenschaft. Von Axel Zibulski 

Ein flaches Wasserbecken trennt sie im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheater in eine linke und eine rechte Hälfte, ist häufig Hindernis und manchmal Hafen. Dabei sind auf der Bühne von Stefanie Seitz Königssaal, Gärten oder Moschee zu einem ungastlichen Einheitsort voller Nebel verschmolzen. Im Rokokotheater Schwetzingen erlebte das Werk des Schülers von Claudio Monteverdi, seinerseits Begründer der Gattung Oper, vor einigen Wochen die deutsche Erstaufführung, stolze 364 Jahre also nach ihrer venezianischen Premiere. In der Koproduktion der Schwetzinger Festspiele mit dem Staatstheater Mainz hat Regisseurin Amélie Niermeyer darin Maschinengewehre an Veremondas Hofdamen verteilt, die, überhaupt und unerhört, in Cavallis Dreiakter oft dominieren. Er spielt um das Jahr 1300, während der Reconquista, der christlichen Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den Mauren.

Männer gibt es da! Alfonso zum Beispiel, den verträumten König im Morgenmantel zum Beispiel. Oder Don Buscone, den Narren. Und Delio (Lawrence Zazzo), einen aragonischen Feldherrn, der am liebsten seine eigene Schönheit bedauert. Des Nachts legt er heimlich in Gibraltar an, wo die von ihm ebenso heimlich geliebte Maurenkönigin Zelemina residiert. Es geht um Täuschungen und Intrigen, um Rache, Betrug und Hochverrat. Am Ende stürmen die Christen die Stadt und Zelemina konvertiert, bei Niermeyer und ihrer Kostümbildnerin Kirsten Dephoff freilich in brutal blutverschmierten Fetzen.

Die Qualität der Musik ist hoch, sie sprüht vor Ideen, wechselt schlagartig Licht und Stimmung. Der argentinische Dirigent und Musikwissenschaftler Gabriel Garrido hatte die rekonstruierende Einrichtung samt Instrumentation übernommen, die Schwetzinger Erstaufführung leitete, wie jetzt in Mainz, sein junger Assistent Andrés Locatelli am Pult des Originalklang-Ensembles Concerto Köln: Viel Mut zum Risiko war im Spiel, das, wenn es sein durfte, bis hin zum knallenden Harfenklang gegen die Klischees gebürstet war. Als ein schräges Grüppchen von Drag Queens im kurzen Schwarzen haben Sonne und Morgenröte nebst den allegorischen Figuren der Rache, der Liebe und der Wut eingangs die Bühne geöffnet. Die Titelpartie der zwischenzeitlich zum Mann verkleideten Veremonda singt in Mainz Dorin Rahardja geradlinig in der Stimmführung, nicht so kunstreich verzierend wie Alexandra Samouilidou die Maurenkönigin Zelemina. Vorzüglich der traumverlorene Altus von Alin Deleanus larmoyantem König Alfonso und der Sopranist Leandro Bermudez Lafont, der als Feldwebel der Amazonen einen weiteren herrlichen Akzent ins Spiel mit den Geschlechterrollen einbringt.

Weitere Vorstellungen am 6. Juli, 18 Uhr, sowie am 13. Juli, 19.30 Uhr.

Quelle: op-online.de

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