Großbaustellen in Rhein-Main

Kommentar: Frust für Pendler bleibt

+

Auf Pendler und Bahnreisende in Rhein-Main wartet die nächste große Geduldsprobe. Diesmal wird die Enttäuschung und der Ärger besonders groß sein; denn die Anstrengungen werden nicht den Durchbruch bringen; dem Patienten „Rhein-Main-Verkehrsinfrastruktur“ wird es anschließend nicht entscheidend besser gehen. Von Peter Schulte-Holtey

Autofahrer trifft es auf der A3 zwischen Obertshausen und dem Offenbacher Kreuz. Bei Hessen Mobil wird zwar der Wechselfahrstreifen als Super-Rezept gepriesen. Wer sich an die Unfallserie bei der A3-Dauerbaustelle vor zwei Jahren erinnert, bekommt trotzdem Bauchgrimmen: Warum soll das, was damals schon nicht der große Erfolg war, jetzt besser funktionieren? Das DHL-Verteilzentrum in Obertshausen mit bis zu 600 zusätzlichen Lkw jeden Tag wird ja für massive zusätzliche Belastungen sorgen. Und am Ende, wenn die Bauarbeiter wieder abgerückt sind, werden die Autofahrer feststellen: Am Stauproblem ändert sich nichts.

Was besonders zermürben muss, ist die Tatsache, dass es den Bahn-Kunden nicht viel besser geht. Die Sperrung des S-Bahntunnels unter der Frankfurter City zieht Kreise. Und wenn Ende August die Signale wieder auf Grün stehen, werden die RMV-Kunden recht schnell merken, dass die neue Technik an der ärgerlichen Unpünktlichkeit zu vieler Züge nichts geändert hat. Der 6,4 Kilometer lange Tunnel bleibt ja das Nadelöhr. Anders als in Berlin, wo die Bahnen auf einem Ring um die Stadt fahren, läuft der Verkehr in Rhein-Main sternförmig auf Frankfurt zu und trifft sich dort. Fast alle S-Bahnen fahren unter der City durch, verbinden die Innenstadt mit Zielen im weiten Umkreis. In jeder Richtung fahren zur Hauptverkehrszeit pro Stunde 24 Züge. Mehr geht nicht. Verspätungen einzelner Züge übertragen sich also weiterhin schnell aufs System. Daran wird sich nichts ändern.

Die Großbaustellen taugen nicht als durchschlagende Therapie.Wieder einmal wird’s spürbar, dass die jahrelange Unterfinanzierung des Verkehrswesens in der Region enorme Schäden hinterlassen hat. Ganz zu schweigen davon, dass der Bau unverzichtbarer neuer Schienenstrecken einfach nicht so vorankommt, wie es mit Blick auf die rasant wachsenden Bevölkerungszahl in der Region notwendig wäre.

Quelle: op-online.de

Kommentare