Der Realität anpassen

Kommentar zum Kampf gegen Einbrecher

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Ralf Enders

Offenbach - „Optimierter Informationsaustausch“ – wenn Politiker wie in diesem Fall der hessische Innenminister Peter Beuth so verschwurbelt-geschwollen formulieren, darf man getrost davon ausgehen, dass sie Banalitäten und/oder Selbstverständlichkeiten verkünden. So ist das auch beim geplanten bundesländerübergreifenden Kampf gegen Einbrecher. Von Ralf Enders

Gemeinsame Ermittlungsgruppen, gemeinsame Sammlung von Informationen zu einem Täter oder einer Bande, gemeinsame Kontrollen – das ist nicht der Status quo, das ist das Ziel der Kooperation. Ja Herrgott, was denn sonst? Ist das etwa noch nicht Standard? Dann ist es in der Tat höchste Zeit, die Verbrechensbekämpfung in Deutschland den Realitäten anzupassen. Im Rhein-Main-Gebiet – mit besten Verkehrs-, mithin Fluchtwegen gesegnet oder geschlagen – lassen sich in kurzer Zeit vier Bundesländer passieren. Osteuropäische Einbrecherbanden interessieren sich herzlich wenig für die föderale Struktur Deutschlands. Die Ermittler dagegen leiden unter dem Zuständigkeitsprinzip.

Und unter Personalmangel. Nicht nur der Wiesbadener Kriminologe Rudolf Egg wünscht sich mehr Polizisten, um die traurige Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen zu verbessern. Doch daraus wird leider nichts, denn zusätzliche Stellen sind in Hessen für die Kooperation nicht eingeplant. Die Aufgaben der Ermittler würden ja nicht erweitert, sondern die Arbeit werde effektiver, teilte das Innenministerium dazu mit. So läuft das mit dem Verkaufen politischer Selbstverständlichkeiten.

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Quelle: op-online.de

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