Gründlich nachdenken

Kommentar: Schulschwänzer zum Ferienstart

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Peter Schulte-Holtey

Den vorzeitigen Ferienbeginn für ihre Schützlinge werden sich viele Eltern in Hessen in diesem Jahr wohl noch genauer überlegt haben. Schließlich wird von den Schulleitungen ja immer häufiger darauf hingewiesen, dass es beim unentschuldigten Schwänzen um eine Ordnungswidrigkeit geht. Von Peter Schulte-Holtey

Interessant und prüfenswert ist der Vorschlag einer Attestpflicht für Schüler, wenn sie sich unmittelbar vor den Ferien „krank“ melden. Es sollte doch einleuchtend sein, dass es ein schlechtes Licht auf Schulen und Schüler wirft, wenn Tausende Kinder dem Unterricht schon vor Ferienbeginn fernbleiben, nur weil die Eltern zum Beispiel noch eine etwas günstigere Urlaubsreise ergattert haben. Und es hat auch einen bitteren Beigeschmack, wenn es faktisch die freie Wahl einer Schulleitung ist, ob sie die Durchsetzung der Schulpflicht nun wirklich ernst nimmt – oder ob sie sich mit den oft fadenscheinigen Entschuldigungen bei Fehlstunden zum Ende des Schuljahres begnügt.

Es geht dabei nicht nur um Gerechtigkeit, sondern auch um die realistische Einschätzung der Beteiligten. Gründliches Nachdenken lohnt sich. Eltern, die die Ferienverlängerung mit Vorwürfen an Lehrer garnieren („Schmalspurunterricht und Freistunden zum Schuljahresausklang“), sollten beachten, dass sie sich im Schuljahr ja zu Recht über jede ausgefallene Stunde ereifern. Und wie ist es mit der Vorbildfunktion als Mutter und Vater? Natürlich muss auch an die Lehrer appelliert werden. Sie sollten sich bemühen, den Unterricht und das Schulleben gerade in den letzten Tagen vor den Ferien möglichst attraktiv zu gestalten. Wenn die Noten schon festgelegt sind, ist eine gute Zeit für Klassenfahrten. Projektwochen mit interessanten Ausflügen und viel eigenständiger Arbeit sind eine weitere Möglichkeit, Schüler noch einmal zu motivieren – den Wert des Unterrichts zu betonen.

Foto-Wettbewerb: Urlaubsbilder unserer Leser

Quelle: op-online.de

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