„Opel“ mit Drehmoment

Kommentar: Volker Bouffier neuer Bundespräsident?

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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU)

Offenbach - Es gibt drei Wortbilder, mit denen Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier umschrieben wird: das des Schwarzen Sheriffs, aus seiner Zeit als hart durchgreifender Innenminister unter Roland Koch; das des harmonisierenden Landesvaters als Steuermann der ersten schwarz-grünen Koalition in einem Bundesland; und das des „Opels unter den deutschen Politikern“. Von Michael Eschenauer 

Die letzte Metapher ist die aktuellste. Sie fällt derzeit im Zusammenhang mit der Frage: Wird Volker Bouffier für die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck kandidieren?. Was hat Opel damit zu tun? Der Opel galt lange Zeit als nicht unbedingt top-angesagte, aber zuverlässige hessische Marke. Zurzeit mischt die Firma mit neuen Modellen den Automarkt auf und wirbt mit dem Slogan „Umparken im Kopf.“ Hat ein „Opel“ Chancen, das höchste Amt zu ergattern, das Deutschland zu vergeben hat? Einiges spricht dafür. Bouffier könnte als „Kretschmann der Union“ über jene politische Schnittmenge verfügen, ohne die es in der Bundesversammlung keine Mehrheit gibt. Er hat seit 2014 zwei ehemals tief verfeindete Parteien zu einem fast geräuschlos laufenden Regierungsbündnis zusammenmoderiert, und mit diesem „Umparken“ das Thema „Schwarz-Grün“ bundespolitisch positiv aufgeladen.

Schwarz-Grün in Hessen funktioniert auch deshalb, weil der ehemalige Basketball-Jugendnationalspieler ans Teamplay gewohnt ist. Das heißt, er gewährt dem politischen Konkurrenten Erfolge. Eine präsidiale Attitüde. Seine Nähe zu den Grünen ist geeignet, ihn bei der Wahl für einstige Alternative akzeptabel zu machen. Zumal gerade die grüne Realo-Seite ein weiteres schwarz-grünes Aufbruchssignal schätzen dürfte. Dass sich Kanzlerin Merkel eine zusätzliche Koalitionsoption neben der SPD für 2017 offen halten möchte, wäre einem Karrieresprung des Grünen-Flüsterers Bouffier ebenfalls nicht abträglich.

Bouffier scheut nicht die große Öffentlichkeit, redet gern und viel – zum Beispiel dann, wenn er der Kanzlerin in der Flüchtlingsdebatte immer wieder beispringt, was seinem Ranking an dieser Stelle zuträglich sei dürfte. In CDU und sogar CSU gilt der Mann trotz Lockerungsübungen als Verteidiger traditioneller Werte und wählbar. Bouffier hat übrigens schon geübt fürs neue Amt: Im Bundesrat amtierte er bis vor einigen Monaten als Präsident - und war damit ganz offiziell ein Stellvertreter des beliebten Ex-Pastors aus Mecklenburg. Es sei ihm eine „Freude und Ehre“ gewesen, die deutschen Länder im In- und Ausland zu vertreten, lautete sein Fazit. Bouffier for president? Da passt so einiges. Der „Opel“ hat ein Drehmoment, mit dem man rechnen sollte.

Quelle: op-online.de

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