Bis 2040 fehlen hessenweit eine halbe Million Wohnungen

Wohnungsnot in Hessen verschärft sich

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Wohnungsbau in Frankfurt: Für die unter hohem Zuzugsdruck stehende Stadt sind gemeinsame Projekte mit Nachbarkommunen unverzichtbar.

Wiesbaden - In Frankfurt und Umgebung wird zwar gefühlt an allen Ecken und Enden gebaut – doch das reicht nicht. Andernorts stehen dagegen immer mehr Wohnungen leer. Diese Entwicklung wird in den kommenden Jahren weiter gehen. Von Isabell Scheuplein

Die Stadt Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet sind der große Anziehungspunkt im Land. Die Wohnungsnot ist dort schon heute groß, und sie wird in den kommenden Jahren noch viel schlimmer. Das zeigt eine von der Landesregierung in Auftrag gegebene Prognose. Demnach fehlen bis zum Jahr 2040 mehr als eine halbe Million Wohnungen in Hessen, 86 Prozent davon in Südhessen. Fragen und Antworten zur Lage am Main und im ganzen Land:

Wie sieht es in den nächsten Jahren im Rhein-Main-Gebiet aus? 

Die Nachfrage nach Wohnungen ist vor allem jetzt und in den kommenden Jahren hoch, gleichzeitig werden viel zu wenige neue gebaut. In Frankfurt fehlen der Prognose zufolge aktuell 22.700 Wohnungen, im Landkreis Offenbach 8 500. Fertig werden derzeit weitaus weniger. Im Landkreis Offenbach zum Beispiel nur 600 von rechnerisch 3 000 nötigen Wohnungen pro Jahr. Zahlen des Statistischen Landesamts zufolge wurden im vergangenen Jahr in ganz Hessen zwar so viele Wohnungen fertig wie zuletzt 2004. Dennoch lautete die Zahl nur 17.792.

Was schlägt das Land als Lösung vor? 

Man müsse zum Beispiel privaten Investoren den Wohnungsbau schmackhafter machen. Dazu müsse die schwarz-rote Bundesregierung die geplanten steuerlichen Anreize verabschieden, fordert Wohnungsbauministerin Priska Hinz (Grüne). Auch die hessische Bauordnung werde derzeit überarbeitet. Und dann sollen die Kommunen sich untereinander besser austauschen und mehr Bauland schaffen, damit zuziehende Menschen auch im Umland wohnen könnten. Zum Beispiel in neuen Wohnungen auf nicht mehr genutzten Gewerbegebieten. Hinz verwies zudem auf den seriellen Wohnungsbau, bei dem mit vorhandenen Prototypen deutschlandweit günstig und schnell Häuser errichtet werden könnten. „Alle sollen jetzt einen Zahn zulegen“, fordert Hinz.

Wurden die Flüchtlinge, die nach Hessen kamen, mit eingerechnet? 

Ja, die Zahlen basieren auf einer Bevölkerungsschätzung vom Mai 2016. Darin wurde angenommen, dass die Zuwanderung nach und nach wieder sinkt. 2021 wird sie demnach auf ihren langjährigen Mittelwert sinken, der bei etwa 16.500 Zuwanderern pro Jahr liegt. Tatsächlich sei es schwer, einzuschätzen, wie viele der Flüchtlinge in Hessen blieben, sagt die Geschäftsführerin des Instituts Wohnen und Umwelt, das die Prognose erstellt hat, Monika Meyer. Denn einen Teil der Menschen ziehe es nach bisherigen Erfahrungen in ihre Heimat zurück, wenn sich die Lage dort gebessert habe.

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Wo gibt es zu viele Wohnungen? 

In Südhessen ist der Odenwaldkreis die Ausnahme, dort wird mehr gebaut als gebraucht wird. Gleiches gilt in unterschiedlichem Ausmaß für den Vogelsbergkreis, den Werra-Meißner-Kreis, den Landkreis Limburg-Weilburg, den Landkreis Hersfeld-Rotenburg, den Schwalm-Eder-Kreis, den Landkreis Waldeck-Frankenberg und den Lahn-Dill-Kreis. Zu den Berechnungen wurde der durchschnittliche Bedarf pro Jahr zwischen 2014 und 2020 ermittelt und in Relation zur durchschnittlichen jährlichen Fertigstellung von Wohnungen der Jahre 2013 und 2014 gesetzt.

Was brennt der Stadt Frankfurt auf den Nägeln? 

Die Kooperation mit den Städten im Umland sei für Frankfurt ein wichtiges Thema, so habe die Stadt bereits in Offenbach und Friedberg Wohnungen gebaut, sagt Mark Gellert, Sprecher von Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne). Die Main-Metropole versucht auch, bestehende Wohnungen für den Mietmarkt zurückzugewinnen. Gar nichts unternehmen könne sie, wenn Wohnungen ohne Genehmigung in Praxen oder Büros umgewandelt werden. Einfacher ist es dagegen, wenn die Eigentümer Ferienwohnungen vermieten: Mitarbeiter der Stadt durchkämmten Internetportale. Dann könne es Geldbußen geben. In den vergangenen drei Jahren seien so mehr als 1200 Wohnungen zurückgewonnen worden.

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dpa

Quelle: op-online.de

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