Leere hinter dem Gelaber

Rainald Grebe im Schauspiel Frankfurt

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Frankfurt - Scheinbar mühelos wechselt Rainald Grebe zwischen Kabarettbühnen – in seinem Falle sind es längst große Hallen – und subventionierten Stadt- und Staatstheatern, mit Wechselwirkungen. Von Sebastian Hansen 

Am Frankfurter Schauspiel hatte er vor anderthalb Jahren mit seinem musikalischen Ensemblestück „Frankfurt“ um die beiden Städte an Main und Oder das Theater zu einer Stätte des Entertainments gemacht. In vier Wochen steht die Premiere seiner Lesart des in der Stadt entstandenen „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann an. Im Vorgriff hat das Schauspiel Grebe einen Soloabend mit ihm und, so war es angekündigt, Mitgliedern des Ensembles beigemessen. Damit ist es nicht weit her gewesen. Gaby Pochert und Paula Skorupa haben ein Häppchen aus dem „Struwwelpeter“ gegeben, das Lied „Paulinchen ist allein zuhaus ...“, in einer verschmitzt charmanten Art vorgetragen, beide haben sich dazu auf den Violinen begleitet. Das war es schon mit den Gästen aus dem Ensemble. Komplett unverständlich – das ist die Diagnose, sagt Grebe, zu der er gelangt sei, nachdem er sich seine Lieder aus der Zeit um das Jahr 2000 wieder angehört habe. Ein paar davon hat er zu Beginn des Abends in Frankfurt vorgetragen – es bleibt nur zu sagen: Er hat vollkommen Recht. Es vermittelt sich indessen ein gewisses Gefühl, und auf diesem Wege entsteht eine andere, tiefere Art des Verstehens.

Inzwischen sind die sprunghaft gefügten Texte fasslicher geworden. Oft auch gelten die musikalisch chansonhaften, mit einer flirrenden Baritonstimme vorgetragenen Lieder einem einzigen Thema, den Zumutungen einer allzeit verlangten Flexibilität beispielsweise, angesichts derer inzwischen schon der Krokus in einer Pressekonferenz erklärt, er blühe jetzt ganzjährig, und die Sonne, dass sie abends nicht untergehe. Das leitende Motiv des Abends ist die digitalisierte Gesellschaft. Humor, so hat es Robert Gernhardt auf den Punkt gebracht, solle in erster Linie „Lachen machen“. In dieser Hinsicht gehört Rainald Grebe ohne Frage zu den ganz Großen. Scheu vor Kalauern hat er keine, letztlich geht es indes um eine Beobachtung des allgemeinen gesellschaftlichen Geweses und des medialen ganz besonders, teils hautnah in der Form einer süffisanten Präsentation von Fundstücken aus YouTube.

Auf die kunsthistorische Wurzel seiner gedanklichen Streifzüge hat Grebe zum Schluss selbst hingewiesen. Es handelt sich um den Dadaismus. „Es geht um die Leere hinter dem Gelaber.“ Das ist die Antwort auf die Frage: „Wo ist der Zusammenhang?“ Im Übrigen hat der Mann mit der vogelwilden Bühnenfigur – mit Hasenohren und Rauschebart sowie einem rosa Tüll- über einem Baströckchen – Auszüge aus seinem letzten Programm gespielt, viele der Nummern hat Jens-Karsten Stoll originell mit seinen Synthesizern garniert. Man kann von einer Aufarbeitung von Resten sprechen. Gern hat man ein zweites Mal darüber gelacht.

Quelle: op-online.de

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