Magie des leisen Klangs

Sóley beim "Summer in the City"

Frankfurt - Es ist still im Publikum. Selbstverständlich ist das bei einem Freiluftkonzert nicht. Von Stefan Michalzik 

Der isländischen Popsängerin und Songschreiberin Sóley Stefánsdóttir gelingt es, ihre Zuhörer beim vom Frankfurter Mousonturm ausgerichteten Festival „Summer in the City“ in der Konzertmuschel des Palmengartens mit der Magie eines leisen Klangbilds in den Bann zu ziehen. Die ausgedehnte Introduktion auf dem Klavier lässt deutlich den Einfluss von Robert Schumann erkennen. Die Harmonien, die die Absolventin eines Kompositionsstudiums unter ihre mit Hauch belegten Altstimme legt, sind simpler, mit Neigung zum Gleichmaß. Das ist schade, der zauberhaft-mysteriösen Wirkung indes steht es nicht im Wege.

Die exzentrisch-elegant aufgemachte Dreißigjährige, die auch Mitglied der isländischen Indiefolkband Seabear ist, strahlt Gelassenheit und Lebensfreude aus. Im vergangenen Jahr hat sie sich nach einer Babypause mit dem famosen Album „Ask the Deep“ zurückgemeldet, dem zweiten nach dem Solodebüt „We Sink“, das sie vor fünf Jahren herausgebracht hat. Mehrfach ergeht sie sich im Verlauf des Konzerts in Schwärmereien über das Mutterglück.  Ihre oft surrealistisch geprägten Texte indes handeln von psychischen Abgründen und zehrender Selbstfindung sowie den Folgen der Liebe.

Die Arrangements sind, anders als in den Einspielungen, skizzenhaft karg. Gerade zu Beginn präsentiert Sóley ihre Songs primär als Klavierlieder. Bloß sparsam setzt sie Beats und andere Instrumente ihrer fünf Begleiter ein, die mit Ausnahme des E-Bassisten weiblich sind. Sóley selbst wechselt hin und wieder an die E-Gitarre oder tauscht den Platz mit der Keyboarderin. Da ist mal ein pochender Beat, dann wieder die Annäherung an eine Schüttelperkussion. Die Instrumente – Akkordeon, Synthesizer, elektrifizierter Bass, Klarinette und Posaune – dürften getrost eine Spur deutlicher wahrzunehmen sein. Mit dieser Band, sagt sie irgendwann, stehe sie zum ersten Mal auf der Bühne.

Ob es sich bei den sehr reduzierten Arrangements um eine Geburt dieses Umstands handelt? In jedem Fall ist der Eindruck stark. Zum Ende hin werden die Texturen mal auch etwas üppiger. Mit den steten Mollakkorden und der Skizzenhaftigkeit hält sich alles weitreichend auf einer Höhe. Der Eindruck ist folglich mehr oder weniger monochrom – aber das hat einen faszinierenden Reiz, eintönig wirkt es nicht.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

Kommentare