Matschkrise auf Feldern

Regenwetter verdirbt Bauern die Erdbeer-Ernte

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Knackig-frische Erdbeeren aus der Region gibt es am ehesten beim Direktvermarkter, im Supermarkt sind sie die Ausnahme.

Frankfurt - Der ergiebige Regen der vergangenen Tage hat den Obst- und Spargelbauern in Südhessen arg zugesetzt. „Die Erdbeerernte ist eine einzige Katastrophe“, sagte Landwirt Rolf Meinhardt.

„Die Erdbeeren sind ruckzuck verfault.“ Und auch beim „Lieblingsgemüse der Deutschen“, dem Spargel, sei die Lage nicht viel besser, sagte der Bauer aus Weiterstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg), der auch Vorsitzender des Arbeitskreises Spargel Südhessen ist. Die Spargelfelder seien so matschig, dass die Erntehelfer „nur noch mit kurzen Hosen und barfuß statt mit Gummistiefeln“ zur Arbeit gehen. Auch die Qualität habe gelitten. Normalerweise dauert die Erdbeersaison in Südhessen bis Mitte Juli. In diesem Jahr wird sie nach Meinhardts Worten wohl kürzer ausfallen. „Die Erdbeeren sind schon beim Pflücken weich, es wird wegen des vielen Regens zu viel Stickstoff aufgenommen“, erklärte er. „Die Früchte sind zwar süß und schmecken gut, aber sie halten nicht.“ Mit dem Handel habe es schon wegen der vielen Retouren Probleme gegeben. Etliche Läden böten schon gar keine deutschen Erdbeeren mehr an. Wegen der Matschkrise auf den Erdbeerfeldern habe er schon die Hälfte der Saisonarbeiter nach Hause schicken müssen.

Was bei den Erdbeeren noch funktioniert, ist nach Meinhardts Worten die Direktvermarktung in Hofläden und Ständen – wegen der kurzen Wege. Und auch wenn die süßen, roten Früchte vielleicht nicht ganz so knackig-frisch sind: „Man kann mit ihnen Super-Marmelade machen“, empfahl der Landwirt. Retten wird das die diesjährige Ernte aber auch nicht mehr: Meinhardt schätzt den Ausfall auf über 50 Prozent. Qualitätseinbußen gibt es auch beim Spargel. Oft sind die Spitzen der eigentlich weißen Stangen braun, da Pilze und unerwünschte Bakterien im Boden der teils unter Wasser stehenden Felder hervorragend gedeihen. Die unschönen Stellen müssen dann weggeschnitten oder die Stangen komplett weggeworfen werden. Auf rund ein Drittel schätzt der Spargelbauer die Ernteeinbußen.

Früchte in herzhafter Begleitung: Erdbeeren zum Hauptgang

Die Preise sind ohnehin schon im Sinkflug. Das liegt zum einen an dem großen Spargel-Angebot durch Importe aus dem Ausland, zum anderen an der allmählich zurückgehenden Nachfrage bei den Verbrauchern, wie Meinhardt erklärte. Die heimische Spargelsaison hat in diesem Jahr so früh wie selten begonnen und nähert sich nun langsam ihrem Ende, dem Johannistag am 24. Juni. In Hessen wird Spargel auf rund 1 780 Hektar Fläche geerntet. Davon liegen allein 1 715 Hektar rund um Darmstadt. Die Landkreise Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und Bergstraße eignen sich für dieses Gemüse wegen des Klimas und der sandigen Böden besonders.

Erdbeeren richtig verarbeiten

dpa

Quelle: op-online.de

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