Hunderttausende am Main

Museumsuferfest: Eine sonnige Sommersause

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In der Hitze der Nacht: Tanzende Besucher am Samstagabend vor einer der Großbühnen am Mainufer.

Frankfurt - Drei Tage lang sonnte sich Frankfurt im Glanz eines der größten Kulturfeste Europas. Das Museumsuferfest lockte nach Schätzungen der Veranstalter rund zwei Millionen Menschen in die Mainmetropole vor 17 Bühnen, in über 30 Museen und in eine ganze Stadt aus Buden und originellen Projekten entlang der Mainufer. Die Hitze war bei der irgendwo zwischen Kultur und Rummel angesiedelten Mega-Sause allgegenwärtig. Von Sina Gebhardt

Ein Lichtermeer spiegelt sich im Main, der in der drückenden Hitze der Stadt nur für wenig Abkühlung sorgen kann. Trotzdem drängen sich die Menschen dicht an dicht an seinem Ufer entlang. Gerade nach Sonnenuntergang ebbt der Besucherstrom nicht ab, den es mit magnetischer Anziehungskraft mitten ins Herz Frankfurts treibt, das an diesem Wochenende im Takt des Museumsuferfests schlägt. Nicht nur in der Mainmetropole ist das traditionsreiche Kunst- und Kulturfest eines der Veranstaltungshighlights schlechthin, es hat sich auch europaweit einen Namen gemacht. Immer wieder dringen Englisch oder Französisch ans Ohr, während man an den Mainufern flaniert, um möglichst viel vom reichhaltigen Programm mitzubekommen.

Zu den Klassikern schlechthin zählen beim Museumsuferfest natürlich die Drachenbootrennen. Am Samstag und Sonntag bestreiten die Wettkämpfer die Rennstrecke von der Untermainbrücke bis zum Holbeinsteg, die sich traditionell zu Publikumsmagneten entwickeln. Bei den Rekordtemperaturen ist man als Zuschauer allerdings hin- und hergerissen, ob man die Sportler nun für ihre Nähe zum kühlen Nass beneiden oder doch wegen der Anstrengung in der Hitze eher bemitleiden soll. Wer der sengenden Hitze entkommen möchte, dem bieten sich in den Museen genügend Fluchtmöglichkeiten: Kunst, Film, Geschichte – das Volksfest trägt seinen Namen zu Recht und bietet jedem Interesse Raum.

Immer einen Besuch wert ist dabei das Caricatura Museum für Komische Kunst, das derzeit mit der Sonderausstellung „Sebastian Krüger“ neben großartigen Cartoons und Illustrationen auch Portraitgemälde von Rock’n’Roll-Größen wie Steven Tyler in petto hat. Und selbst die Kleinsten kommen nicht nur im Kindermuseum auf ihre Kosten, sondern können sich im Archäologischen Museum auf eine geführte „LEGO-Zeitreise“ begeben – wobei auch die Eltern beim Anblick der Steine in nostalgisches Schwärmen geraten.

Mit den Abendstunden erwachen die Bühnen zum Leben und beben unter Rockigem, Lateinamerikanischem oder Techno-Beats. Anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums ist dieses Jahr erstmalig die Batschkapp Ehrengast des Fests und fährt auf ihrer eigenen Bühne auf der Stadtseite ganz im Stil des Clubs verschiedene Musikrichtungen auf. Im Stundentakt wechseln am Samstag die Acts und bieten damit einen Querschnitt durch die Musikszenen, bevor am Sonntagabend die Blues-Rock-Band Tito & Tarantula – durch ihren Auftritt in Tarantinos Kultfilm „From Dusk Till Dawn“ zur Legende geworden – das Spektakel zum würdigen Abschluss sollte.

Bilder: Museumsuferfest 2016 in Frankfurt

Damit bei dem Attraktionen-Marathon keinem die Kraft ausgeht, können praktischerweise überall die Reserven aufgefüllt werden, denn auch beim kulinarischen Angebot geht es reichhaltig und vor allem vielfältig zu. Multikulti ist auch hier das Stichwort und zwischen koreanischen und thailändischen Spezialitäten wirft die ungarische Köstlichkeit Lángos bei manch einem Fragezeichen auf: „Was ist denn das?“ kommt die Frage aus der Menschenschlange, die mit der simplen Erklärung „Halt Fladenbrot mit was drauf“ scheinbar ausreichend beantwortet ist. Nur kurze Zeit später zieht die Frau mit besagtem Fladenbrot zufrieden weiter.

Mit fester oder flüssiger Nahrung versorgt, wird ausgelassen bis in die Nacht gefeiert: Jung und Alt säumen bunt gemischt Plätze, Straßen und Ufer, und trotz der schwülen Abendluft wird vor den Bühnen ausgiebig getanzt. Etwas abseits des Trubels campieren Jugendliche auf dem Grünstreifen und schöpfen, der Menschenmasse entkommen, Atem. So kann man das Museumsuferfest eben auch genießen.

Quelle: op-online.de

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