Mehrere Prostituierte und Schüler Tristan getötet

Mutmaßlicher Serienmörder mit sadistischen Neigungen

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In diesem Tunnel wurde 1998 die Leiche des Schülers entdeckt.

Wiesbaden/Frankfurt - Bei der Jagd auf den Mörder des Schülers Tristan haben die Ermittler in 18 Jahren weltweit viele Spuren verfolgt. Jetzt gibt es eine neue: Der vor rund zwei Jahren gestorbene mutmaßliche Serienmörder mit sadistischen Neigungen könnte es gewesen sein.

Ein Massentest von Fingerabdrücken, ein Phantombild und ein mit Hilfe eines Profilers erstellter Dokumentarfilm: Die Suche nach dem Mörder des 13 Jahre alten Tristan blieb 18 Jahre ohne Erfolg. Jetzt gibt es einen neuen Verdacht: Ein Serienmörder könnte aus sexuellen sadistischen Fantasien nicht nur mehrere Prostituierte getötet haben, sondern auch den Jungen. Das berichteten Ermittler des Landeskriminalamtes Hessen heute. Der Schüler wurde am 26. März 1998 in einem Tunnel des Liederbachs nahe des Bahnhofs Frankfurt-Höchst grausam ermordet. Der Täter schnitt dem Jungen am helllichten Nachmittag die Kehle durch. Vom leblosen Körper schnitt er Muskelfleisch und die Hoden ab und nahm beides im Rucksack des Schülers mit.

"Als ich die Fotos vom Tatort das erste Mal gesehen habe, ist es mir eiskalt den Rücken heruntergelaufen", hatte der Frankfurter Kriminalhauptkommissar Uwe Fey zehn Jahre nach der Tat gesagt. Er gab die Ermittlungen nie ganz auf, ist derzeit aber nicht zu erreichen. Der Täter muss sich mit den Örtlichkeiten gut ausgekannt haben, waren die Ermittler überzeugt. Eine wichtige Spur war das Fragment eines Fingerabdrucks auf einem der Schulbücher Tristans. Ein Massentest mit mehr als 10.000 freiwilligen Teilnehmern aus den westlichen Stadtteilen Frankfurts brachte aber kein Ergebnis. DNA-Spuren gab es nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft nicht. Zehn Jahre nach der Tat verfolgte die Polizei einen neuen Ermittlungsansatz. Mit Hilfe von "Aktenzeichen XY" suchte sie nach einem Mann mit Pferdeschwanz. Ein Phantombild des Mannes wurde erstellt - und dafür noch einmal die rund 360 Aktenordner mit mehr als 20.000 Hinweisen und Spuren durch gearbeitet.

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Vor rund zweieinhalb Jahren gingen die Ermittler erneut von einem neuen Täterprofil aus. Zusammen mit einem Profiler drehten sie einen 20-minütigen-Dokumentationsfilm über die Ermittlungen. Der Mörder war danach zur Tatzeit zwischen 25 und 35 Jahre alt - deutlich jünger als der nun in Verdacht geratene mutmaßliche Serientäter. Dieser starb 2014 im Alter von 67 Jahren, 1998 also 51 Jahre alt. Zwar gingen nach dem Film einige hundert Hinweise bei der Polizei ein, eine heiße Spur war aber nicht dabei. Auch ein 47 Jahre alter Kindermörder aus Baden-Württemberg geriet 2011 unter Tatverdacht. Der Mann hatte gestanden, im Oktober 2000 den elfjährigen Tobias im Kreis Böblingen erstochen zu haben. Auch dieser Täter trennte Genitalien ab. Der Abgleich seines Fingerabdrucks mit einem an der Leiche von Tristan ergab aber keine Übereinstimmung.

Bilder: Der Mordfall des Schülers Tristan Brübach

Weitere wichtige Infos zum Fall:

  • Der mutmaßliche Serienmörder Manfred S. aus dem Taunus hatte möglicherweise einen Mittäter. Speziell eine Leiche lasse "daran denken, dass hier möglicherweise zwei Täter ihre Fantasien ausgelebt haben", sagte einer der Ermittler heute in Wiesbaden.
  • Der Serienmörder wird von der Polizei mit mindestens sechs Morden in Verbindung gebracht. Dazu gehören zwei Morde an Prostituierten in den 90er Jahren in Frankfurt sowie zwei Morde an Frauen ebenfalls in Frankfurt in den 1970er Jahren, wie die Polizei berichtete. Außerdem passe der Fall des 1998 in Frankfurt-Höchst getöteten 13-jährigen Tristan ins Bild, obwohl es sich beim Opfer um einen Jungen gehandelt habe. Auch bei Tristan habe der Täter sadistische sexuelle Fantasien ausgelebt. Als sicher gilt, dass der 2014 gestorbene Verdächtige eine Prostituierte tötete, die in seiner Garage in Schwalbach gefunden wurde.
  • Der mutmaßliche Serientäter wird von der Polizei als „ganz normaler Familienvater“ beschrieben. Er sei bis zu seinem Tod 2014 im Alter von 67 Jahren polizeilich nicht aufgefallen, sagte Ermittler Frank Hermann in Wiesbaden.
  • Der Mann hat zumindest einem seiner Opfer Organe entnommen. Dieses spezielle "Verletzungsbild", welches bei der zerstückelten Frauenleiche in seiner Schwalbacher Garage festgestellt wurde, sei auch bei fünf weiteren Morden in den vergangenen Jahrzehnten gefunden worden, sagten die Ermittler. Im Computer des Mannes seien außerdem Dateien mit Abbildungen sexueller Gewaltfantasien gefunden worden, die "fast eins zu eins" den Verletzungen bei den mutmaßlichen Opfern entsprochen hätten.
  • Bei den Opfern, die mit dem mutmaßlichen Serienmörder in Verbindung gebracht werden, sind nach Angaben der Ermittler immer unterschiedliche Körperteile entnommen worden. Bei allen Taten gebe es die Gemeinsamkeit, dass Organe und Körperteile vom Täter mitgenommen worden seien, aber nie die gleichen. Ermittler Frank Hermann sagte: Mal sei es ein rechtes Bein, mal ein linker Arm - "wenn Sie das zusammenrechnen, könnten Sie sich tatsächlich dadurch einen neuen Körper herstellen".

Leichenteile in Garage gefunden

dpa

Quelle: op-online.de

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