Nachtflugverbot in der Diskussion

Fraport fordert mehr Ausnahmen

Frankfurt/Offenbach - Die schweren Unwetter vom Wochenende haben auch den Flugplan in Frankfurt gehörig durchgeschüttelt. Es gab zahlreiche Starts nach 23 Uhr, aber auch viele Maschinen, die am Boden bleiben mussten. Nun gibt es Streit über Ausnahmen vom Nachtflugverbot. Von Ralf Enders

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport fordert eine flexiblere Regelung des Nachtflugverbots in Ausnahmesituationen. Hintergrund sind die heftigen Gewitter am vergangenen Freitagabend. Wie Fraport am Sonntag mitteilte, konnten 25 Maschinen nicht abheben, weil keine weiteren Ausnahmegenehmigungen für Starts nach 24 Uhr erteilt worden seien, obwohl die Maschinen schon bis zu einer Stunde auf dem Vorfeld gewartet hätten. Etwa 7000 Passagiere – darunter zahlreiche Familien mit kleinen Kindern – seien gestrandet und hätten die Nacht auf Feldbetten oder Sitzbänken verbracht.

Fraport-Vorstand Anke Giesen: „Eine modifizierte Nachtflughandhabung mit nur 30 Minuten verlängerten Startgenehmigungen hätte in so einem Ausnahmefall schon geholfen, da alle Maschinen bereits startbereit vor den Bahnen warteten. Die Passagiere reagierten eindeutig und zu Recht mit Kritik auf dieses unverhältnismäßige Vorgehen.“ Die Fluggäste seien „unter teils heftiger Kritik mit und großem Widerstand“ wieder ausgestiegen.

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Für Giesen ist die Situation untragbar: „Unter Zuständen wie an diesem Wochenende leidet nicht nur die Reputation unseres Flughafens. Auch unser Ruf als gastfreundliches Land wird beschädigt, und wenn das häufiger passiert, werden Reisende künftig Frankfurt meiden. Giesen forderte „einen konstruktiven Diskurs über Lösungsmöglichkeiten für eine moderate Handhabung der Nachtflugregeln in Frankfurt“.

Für den ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) waren dagegen schon die erteilten 76 Ausnahmegenehmigungen von 23 bis 24 Uhr zu viel: „Die vorgeschriebenen Abflugstrecken wurden nicht eingehalten. Starts erfolgten nach 23 Uhr im Minutentakt (...) erst einige Minuten nach Mitternacht war endlich Ruhe“, meinte Werner Geiß von der Regionalgruppe Rhein-Main im VCD. Er verlangte: „Die sich häufenden Wetterextreme erfordern Konsequenzen, für die Geschäftspolitik der Luftfahrtwirtschaft, ebenso für die Flugreisenden, denen auch mal eine Nacht im Hotel zugemutet werden darf. (...) Schluss mit den Sondergenehmigungen für nächtliche Starts, bei jedem Wetter!“

Das Nachtflugverbot gilt von 23 bis 5 Uhr, sieht aber Ausnahmestarts bis 24 Uhr vor. Im vergangenen Jahr gab es 710 solcher Genehmigungen – vor allem wegen schlechten Wetters, aber auch aus medizinischen oder sicherheitstechnischen Gründen. Der hessische Verkehrs-Staatssekretär Mathias Samson (Grüne) bedauerte gegenüber der Deutschen Presseagentur die gestrandeten Passagiere, machte jedoch klar, dass Starts nach 24 Uhr im Planfeststellungsbeschluss – quasi die Betriebsgenehmigung des Flughafens – nicht vorgesehen seien. Gleichwohl sei das Ministerium bereit, mit den Beteiligten nach Möglichkeiten zu suchen, „die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten“. Am Nachtflugverbot generell könne jedoch nicht gerüttelt werden.

Quelle: op-online.de

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