Nach letztjähriger Absage wegen Terrors

Neues Sicherheitskonzept bei Radklassiker

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Ein Bild aus dem Jedermann-Rennen im vergangenen Jahr.

Frankfurt - Beim traditionellen Radrennen durch den Taunus am 1. Mai gehen wichtige Fahrer wie John Degenkolb an den Start. Nach einem Bombenfund war die beliebte Sportveranstaltung vor einem Jahr ausgefallen. Ein mutmaßlicher Islamist steht deshalb vor Gericht.

Das Radrennen "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" beginnt nach der Absage wegen Terrorgefahr mit neuem Schwung. "Der Rückhalt ist sensationell", sagt Veranstaltungsleiter Bernd Moos-Achenbach wenige Tage vor dem 1. Mai. "Alle wichtigen Fahrer sind dabei." Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) übernehme die Siegerehrung. Wie konkret die Anschlagsgefahr vor einem Jahr war, steht noch nicht fest. Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Islamisten wegen der der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ist noch nicht abgeschlossen. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Wie viele Radfahrer und Zuschauer sind dabei?

Der Radklassiker, früher "Rund um den Henninger Turm", geht zum 55. Mal an den Start. 23 Profi-Mannschaften aus zehn Nationen fahren am Sonntag mit. Darunter ist Klassikerspezialist John Degenkolb. Der Lokalmatador aus Oberursel kehrt 99 Tage nach seinem schweren Trainingsunfall wieder ins Renngeschehen zurück. Zu den Profis kommen noch rund 4500 Teilnehmer beim sogenannten Jedermannrennen. Veranstaltungsleiter Moos-Achenbach geht von insgesamt 6000 bis 7000 Fahrern in den 17 verschiedenen Rennen aus. "Bei dem Wetter ist der Zulauf in den letzten Tagen wahrscheinlich nicht so hoch wie sonst." Das feucht-kühle Wetter könnte auch weniger Zuschauer an die Strecke locken. Bis zu 800.000 Menschen seien es sonst - "je nach Wetter".

Ist nach der Bedrohungslage jetzt mehr Polizei unterwegs?

Die Sicherheitsmaßnahmen seien etwas verändert worden, sagt Moos-Achenbach. Das gemeinsam mit der Polizei erstellte Konzept sei überarbeitet und etwas geändert worden. "Die Aufmerksamkeit ist gerade nach dem letzten Jahr besonders hoch", sagt Polizeisprecher André Sturmeit. "Wir sind für hoffentlich nicht eintretende Szenen gewappnet." Großveranstaltungen aller Art könnten Anschlagsziele sein. "Wir sind sehr, sehr wachsam." Details zum Sicherheitskonzept verraten Polizei und Veranstalter nicht.

Wann ist mit einem Urteil im Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter zu rechnen?

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Islamisten - einen 36-jährigen Deutschen mit türkischen Wurzeln aus Oberursel - hat vor rund drei Monaten begonnen. Die Staatsschutzkammer des Frankfurter Landgerichts hat 27 Verhandlungstage angesetzt, 17 sind vorüber. Von den insgesamt rund 70 Zeugen sind die meisten bereits vernommen worden oder haben ihre Aussage verweigert. Mehrere Sachverständige wurden gehört. Ein Urteil wird Ende Juni erwartet. Das mit Spannung erwartete Gutachten eines LKA-Spezialisten über die Gefährlichkeit der Rohrbombe ist wegen Krankheit auf den 31. Mai verschoben worden.

Bilder: Auftakt im Prozess gegen mutmaßlichen Islamisten

Was wird dem Angeklagten vorgeworfen?

Halil D. war kurz vor Beginn des Radrennens 2015 festgenommen worden und sitzt seither in U-Haft. In seiner Wohnung wurden eine Bombe, Waffen, Waffenteile und gefährliche Chemikalien gefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, aus dschihadistischen Motiven fest entschlossen gewesen zu sein, einen Terroranschlag auf eine Großveranstaltung mit vielen Menschen geplant zu haben. Dabei soll er das Radrennen zumindest in Betracht gezogen haben. Auf seinem Mobiltelefon und einem Computer fanden die Ermittler reichlich Propagandamaterial, darunter von diversen dschihadistischen Predigern. Der 36-Jährige hat sich in dem Prozess noch nicht zur Sache geäußert und wird psychiatrisch begutachtet.

Welche finanziellen Auswirkungen hatte die Absage des Radrennens?

Veranstaltungsleiter Moos-Achenbach spricht von rund 40.000 bis 50.000 Euro Verlust und hat diesmal für "den nicht vorstellbaren Fall", dass das Rennen 2016 erneut abgesagt werden müsste, eine Versicherung abgeschlossen. "Es ist kein Sponsor abgesprungen. Im Gegenteil, wir haben drei dazu gewonnen." Auch die Kommunen unterstützten das Rennen. Ist am Sonntag mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen? Auf jeden Fall. Die Polizei rät dazu, vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Der Start ist in Eschborn, die Siegerehrung an der Alten Oper in Frankfurt. Die S-Bahnen verkehren nach Fahrplan. Bei den U-Bahnen gibt es außerhalb Frankfurts allerdings Einschränkungen bei den Linien U2 (Frankfurt-Bad Homburg) und U3 (Frankfurt-Oberursel). Die Bahnen fahren mit mehr Wagen als sonst, einige verkehren auch häufiger als an anderen Sonntagen.

Trotz Terrorangst: Radler starten beim Jedermann-Rennen

dpa

Quelle: op-online.de

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