„Nicht trainiert für harte Comedy“

„Badesalz“-Hälfte Gerd Knebel veröffentlicht Musik-Album

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Macht jetzt alles selber: Gerd Knebel hat mit Henni Nachtsheim das Label „Frau Batz Records“ gegründet.

Frankfurt - Über Langeweile kann sich Gerd Knebel nicht beklagen. Mit „Badesalz“ tourt er unerlässlich und auch als Solo-Comedian steht der Hesse auf der Bühne. Ende der Woche erscheint seine neue CD, „The Knebells“. Von Detlef Kinsler

Dafür hat er mit seinem „Badesalz“-Partner Henni Nachtsheim eine eigene Plattenfirma gegründet. Im Interview spricht er mit uns über seine Musik, englischen Humor und eine Intimrasur.

Auf dem neuen Album scheint alles aufeinanderzutreffen, was Sie je musikalisch gemacht haben. Von der Ballade bis zu harten Rock-Riffs ...

Das stimmt, es ist so eine Mischung, aber für mich muss es immer brutzeln, es muss Wüstensand drin sein. Wenn ein Stück zu clean zu werden drohte, packten wir noch mehr Dreck hinein. Meine Mischung ist eine aus Soul und Gospel und harten Sachen. Das ist auf der Platte zum ersten Mal richtig gelungen. Aber wir haben auch keine Angst vor Pop-Melodien. Und es gibt auch eine achtminütige Nummer mit ellenlangem Gitarrensolo am Ende, „Facebook Lynchmob“. Die hätte aber die CD gesprengt. Den Song gibt es jetzt als Download-Bonus.

Welche Botschaft vermittelt uns der neue Bandname „The Knebells“?

Zum Beispiel meine Liebe zu englischer Musik. Da kommt auch mein Melodieverständnis her.

Aus der Beat-Ära, als alle Bands wie The Beatles und The Rolling Stones noch den Artikel im Namen führten ...

Vor allem The Kinks. Wir haben mal zusammen gespielt auf der Loreley. Ich bin absoluter Ray-Davies-Fan. Die meisten Leute haben keine Ahnung, dass er der beste Songschreiber der Welt ist. Er hat es immer geschafft – und das versuche ich auch immer –, Ernstes, Zynisches und Ironisches mit Empathiefähigkeit zusammenzumischen. Keine pure Betroffenheit wie so oft in deutschsprachigen Liedern. Das ist nie meine Welt gewesen. Das birgt natürlich auch eine Gefahr. Wenn man singt: „Komm’ mit zum Facebook Lynchmob“, könnte man das ja ernst nehmen ... Aber dann darf man keine Satire mehr machen.

Man läuft Gefahr, missverstanden zu werden oder Beifall von der falschen Seite zu bekommen ...

... wie bei meinem Solo-Programm „Wörld of Drecksäck“, wo mir eine Anzeige wegen Gewaltverherrlichung angedroht wurde. Der Veranstalter antwortete auf Beschwerden, wie er so einem Programm eine Bühne geben könne, da dürfe er ihnen nicht mal mehr Kindertheater empfehlen. Die Leute sind hier nicht trainiert in härterer Comedy, englische Stand-up ist teilweise so brutal.

Zurück zu „The Knebells“ ...

Was mir an diesem Namen gefällt: Das kann immer ich alleine sein oder drei Leute oder in zwei, drei Jahren eine große Band, und es beinhaltet auch meine Geschichte, die englische Attitüde. Auf dem Cover ist der kleine Gerd zu sehen, mit den Rumbakugeln im Kreise der Familie, Oma Felicitas an der Wanderklampfe, Onkel Oskar am Akkordeon und dessen Frau Rosemarie, wegen der er damals nach England ging. Heute leben bis zu 50 Knebels in der Grafschaft Kent.

Apropos Familie. „The Knebells“ erscheint auf „Frau Batz Records“, gegründet mit Henni Nachtsheim. Warum ein eigenes Label?

Die großen Plattenfirmen bezahlen ja nur noch minimale Vorschüsse, von denen man noch selber die TV-Produktionsfirma bezahlen muss. Da gibt es immer ein Hin und Her wegen des Geldes. Dann können wir das auch gleich selber finanzieren, behalten alle Rechte an unseren Programmen und machen auch unsere „Badesalz“-CDs dann selber. Das fanden wir nur konsequent. Wir haben das dann unseren bisherigen Plattenfirmen-Partnern mitgeteilt, aber es gab keine Reaktion darauf. Frau Batz als Name ist natürlich eine Widmung an unser erstes Programm „Super Dong Dong“, an die Frau Batz mit der ich das ewig lange Telefonat im Stück habe.

Als Sie noch im Frankfurter Nordend und in Bornheim unterwegs waren, wurden Sie an jeder Ecke mit Ihren eigenen Figuren aus den Sketchen konfrontiert. Da kann man schon eine Paranoia entwickeln.

Wir haben eine Phase gehabt, wo uns die Leute extrem auf dem Schirm hatten. Ich musste regelmäßig das Café Gegenwart nach zehn Minuten verlassen, weil mir von allen Tischen ein „Och joh“ entgegenschallte. Ich bin über den Weihnachtsmarkt gelaufen, habe das fast aufgegeben, weil jeder Zweite mich kannte. Das war direkt nach der ersten ARD-Sendung. Das war krass. Ich bin froh, dass das alles vorbei ist. Keine Sau kennt mich mehr, ich kann überall rumlaufen.

Weil Sie aktuell eher wie Peter Gabriel aussehen?

Ich hatte mal vor längerer Zeit eine Mini-OP, da trug ich noch einen Vollbart. Als die Schwester mich im Intimbereich rasierte, meinte sie plötzlich: „Ich habe früher immer so über Sie gelacht, Herr Knebel, und Sie erst gar nicht erkannt.“ In so einer Situation sagt sie mir das genau so. Ich fand das gut.

„The Knebells“, Frau Batz Records/Indigo, Veröffentlichung am 23. September, 16,99 Euro.

Quelle: op-online.de

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