Auch Schäden im Kreis Offenbach

Verletzte Feuerwehrleute und Verspätungen

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Kurz vor dem Bepo-Kreisel kippte in Mühlheim ein Baum um.

Wiesbaden/Frankfurt - Ein Baugerüst stürzt auf Autos, Fassadenteile wirbeln umher, Bäume knicken um wie Streichhölzer. "Niklas" rast mit Orkanstärke über Hessen und bremst den Verkehr auf der Schiene, in der Luft und auf der Straße. Und es bleibt stürmisch.

Schirm aufspannen zwecklos: Mit gewaltiger Kraft ist Orkan "Niklas" heute über Hessen hinweggerast, begleitet von peitschenden Regenschauern. Bäume blockierten Straßen, rissen Stromleitungen herunter. Wer auf die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gehört und sein Auto in der Garage gelassen hatte, bekam auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause auch auf der Schiene Probleme. "Niklas" ist nach Einschätzung der Meteorologen einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre.

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Auf Hessens höchstem Berg gab es schon am Morgen eine Orkanböe mit 119 Kilometern pro Stunde. Die Helfer waren im Dauereinsatz. Bei Aufräumarbeiten in der Nähe von Taunusstein wurden zwei Feuerwehrleute von einem umstürzenden Baum verletzt und kamen ins Krankenhaus. Einige Züge aus Nordrhein-Westfalen hatten nach Angaben der Bahn Verspätung, weil dort der Nahverkehr eingestellt worden war. Der Regionalbahnverkehr zwischen Westerburg im Westerwald und Wilsenroth im Kreis Limburg-Weilburg wurde wegen umgestürzter Bäume eingestellt. Auch im Netz des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) und innerhalb Frankfurts gab es Störungen, weil umgestürzte Bäume oder Verkehrsschilder Gleise oder Straßen blockierten und Oberleitungen beschädigten.

Die Wettervorhersage aus Ihrer Region

Am Frankfurter Flughafen fielen bis zum frühen Abend nach Angaben des Betreibers Fraport etwa 150 Starts und Landungen aus. Zudem kam es zu Verspätungen. "Niklas" zog rasch Richtung Osten, aber noch bis Karfreitag wird es der Vorhersage zufolge in Hessen stürmisch bleiben - mit abnehmender Tendenz. "Tag für Tag wird es weniger", sagte Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst. Es bleibt aber turbulent mit vielen Schauern und Blitz und Donner. Und es wird kälter, so dass es örtlich schneien kann. Liegen bleiben werde der Schnee aber nicht, denn am Boden sei es dafür zu warm, sagte Kirchhübel. Trotzdem müssen die Autofahrer zumindest vorübergehend mit winterlichen Verhältnissen rechnen.

Der Waldbesitzerverband riet von Spaziergängen im Wald ab. Die Gefahr durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume sei groß, teilte der Verband mit. Tote Äste könnten vor allem aus den Baumkronen alter Laubbäume herabstürzen, durch Sturmböen beschädigte Bäume könnten jederzeit umfallen. Zu den Schäden konnte der Verband zunächst nichts sagen, genauere Angaben würden für Donnerstag erwartet. Im Frankfurter Bahnhofsviertel stürzte im Sturm ein 15 Meter hohes Baugerüst auf vier parkende Autos und beschädigte sie, verletzt wurde nach dem Bericht der Feuerwehr niemand. Ein älteres Ehepaar, das in einem der Autos saß, sei mit dem Schrecken davon gekommen und habe sich selbst aus dem Fahrzeug befreien können. Das gerade im Frankfurter Osten stattfindende Volksfest Dippemess blieb geschlossen.

Mehrere Städte, darunter Frankfurt und Rüsselsheim, schlossen ihre Friedhöfe wegen der Gefahr herabstürzender Äste. In Wiesbaden wurden deshalb auch der Kurpark und andere öffentliche Einrichtungen gesperrt. Aus ganz Hessen meldeten Polizei und Feuerwehren Dutzende Einsätze, meist mussten umgestürzte Bäume aus dem Weg geräumt werden. In Osthessen lagen "jede Menge Bäume" auf den Straßen, wie die Polizei berichtete. Zwei Bäume stürzten auf die rechte Fahrbahn der Autobahn 45 bei Wölfersheim in der Wetterau. In Nordhessen weichten starke Regengüsse die Erde auf, zahlreiche Bäume wurden entwurzelt. In Frankfurt musste die Feuerwehr innerhalb weniger Stunden zu etwa 80 Einsätzen ausrücken. Im Werra-Meißner-Kreis hatten Anrufer der Polizei zeitweise im Minutentakt Sturmschäden gemeldet, mehrere Straßen wurden gesperrt. Autofahrer sollten sich "auf die absolut notwendigen Fahrten" beschränken, riet die Polizei. "Niklas" erreiche trotz seiner großen Wucht nicht die Stärke der Orkane "Vivian" und "Wiebke", die 1990 in Europa verheerende Zerstörungen anrichteten und Dutzende Menschen töteten, sagte Meteorologe Kirchhübel. Und auch Orkan "Christian" am 28. Oktober 2013 sei mit Böen bis zu 172 Kilometern pro Stunde an der Küste stärker gewesen.

Im Kreis Offenbach blieb es weitestgehend ruhig. Zwar rückte die Polizei bis zum Mittag zu 42 Einsätzen aus, passiert sei aber nicht viel. Menschen wurden jedenfalls nicht verletzt. In Offenbach am Buchrainweg wurde ein größerer Baum entwurzelt und drohte auf die Straße zu fallen. Die Feuerwehr musste anrücken. Auf der A3 am Offenbacher Kreuz entfernte die Polizei mehrere Müllsäcke, die von einem benachbarten Industriegebiet herübergeweht waren. In Neu-Isenburg entwurzelte der Sturm einige Bäume im Sportpark, auch in Dreieich richtete das Unwetter nur geringfügigen Schaden an. 

Kurz vor dem Bepo-Kreisel in Mühlheim kippte ebenfalls ein großer Baum um. Er lag über ein Wohnblock-Grundstück und ragte leicht auf die Straße. In Langen lösten sich Teile eines Baugerüsts, die gesichert werden mussten. Dafür wurde die Ortsdurchfahrt an der Darmstädter Straße/Fahrgasse für etwa 45 Minuten gesperrt. Der Klein-Auheimer Wildpark hat aus Sicherheitsgründen heute geschlossen.

dpa/dani

Quelle: op-online.de

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