Verfeindete „Osmanen Germania“ und „Bahoz“

Türkische Rocker stellen Polizei vor Herausforderungen

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Die "Osmanen Frankfurt" haben sich nach Einschätzung von Ermittlern im Streit um den türkisch-nationalistischen Kurs von den "Osmanen Germania" abgespalten.

Frankfurt - Zwei verfeindete türkische Gruppen mischen die Rockerszene auf. Die Polizei hat schon zwei Mal gewalttätige Auseinandersetzungen verhindert. Eine Eskalation droht nach Einschätzung von Ermittlern jetzt nach dem Putschversuch in der Türkei. Von Ira Schaible

Ein Aufeinandertreffen der verfeindeten türkischen Rocker-Gruppierungen "Osmanen Germania" und "Bahoz" hat die Polizei in Frankfurt vor rund einem Monat gerade noch abgewendet. In Hanau trafen die beiden Lager vor etwa zwei Wochen erneut aufeinander. Zuvor sollen "Bahoz"-Anhänger die "Osmanen" im Internet provoziert haben: Wir sind in Eurem Gebiet und wo seid Ihr? Der Polizei gelang es erneut, sie auseinander zu halten. Irgendwann wird es aber knallen, fürchten die Sicherheitsbehörden. Zugleich wird noch immer mit Haftbefehl nach einem der Schützen der blutigen Rocker-Fehde vom Himmelfahrtstag in Frankfurt gesucht. Sie soll auf das Konto der Hells Angels gehen. Wir geben Antworten auf einige Fragen.

Wer sind die "Osmanen Germania"? 

Die im Herbst 2015 gegründeten Osmanen haben mit einem kleinen Boxclub begonnen. Sie sind den Ermittlern zufolge ähnlich strukturiert wie die Hells Angels, treten auch so auf, sind aber kein Motorradclub. Die meisten seien erfahrende Kampfsportler, viele mit kriminellem Hintergrund. Ihr Zentrum ist in Dreieich-Sprendlingen. Sie gelten als die am schnellsten wachsende rockerähnliche Gruppe und haben nach Einschätzung der Ermittler rund 1500 Mitglieder, davon 150 in Hessen. Die "Osmanen" selbst sprächen von mehreren tausend Anhängern. Sie sollen in der Türsteher- und Ordnerszene sowie im Objekt- und Personenschutz aktiv sein und ihr Geld auch mit der Bewachung von Flüchtlingsheimen verdienen.

Wie ist die politische Ausrichtung?

Die Osmanen gelten als türkisch-nationalistisch. Kurz nach dem Putschversuch in der Türkei versammelten sich rund 1500 Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Frankfurt. Darunter war nach Polizeiangaben auch der Präsident der "Osmanen Germania" sowie mehrere Anhänger. Nach Einschätzung des Rocker-Experten Jürgen Roth sind die "Osmanen" besonders schlagkräftig, weil sie enge Verbindungen zur Regierungspartei AKP, aber auch zu den Grauen Wölfen haben.

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Was macht die Gruppe "Bahoz" aus?

Die erst im Frühjahr in Baden-Württemberg gegründete Gruppierung "Bahoz" ist ein Zusammenschluss junger kurdischer Männer. Sie sind nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden bereit, ihre politischen Ansichten auch mit Gewalt zu verteidigen, gerade gegen die als türkisch-nationalistisch geltenden "Osmanen". "Bahoz" sind weniger hierarchisch strukturiert als rockerähnliche Gruppen und in erster Linie politisch. Sie wurden unter anderem als Aufpasser bei kurdischen Demonstrationen gesehen. Die Sicherheitsbehörden gehen ebenfalls von rund 1500 Mitgliedern in Deutschland aus. Schwerpunkt ist Baden-Württemberg. In Hessen gibt es den Ermittlern zufolge Gruppen in Südhessen, Rüsselsheim, Groß-Gerau, Gießen und Frankfurt. Ende Mai marschierten Anhänger der kurdischen Arbeiterpartei PKK durch Offenbach. Ob dies im Zusammenhang mit dem Rockermilieu steht, ist nicht klar.

Wer sind die "Osmanen Frankfurt"? 

Die "Osmanen Frankfurt" haben sich nach Einschätzung von Ermittlern im Streit um den türkisch-nationalistischen Kurs von den "Osmanen Germania" abgespalten. Ihnen sollen zwischen 150 und 200 Mitglieder angehören. Zwischen beiden "Osmanen"-Gruppen könnte es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen, glauben die Ermittler. Zudem gibt es zwischen den "Osmanen Frankfurt" und den Hells Angels nach Einschätzung von Fachmann Roth auch potenzielle Konflikte im Rotlichtmilieu.

Zweimal Schüsse zwischen Rockern in Frankfurt: Welche Rolle spielen die Hells Angels?

Zwischen den traditionellen Hells-Angels aus Frankfurt und den türkisch geprägten Hells Angels aus Gießen gibt es nach Einschätzung der Ermittler seit Monaten eine Art Burgfrieden. Der Machtkampf, bei dem es vor allem um die Gründung eines Charters in Gießen gegangen sein soll, hatte vor rund zwei Jahren zu Schüssen vor einem Frankfurter Club mit fünf Verletzten geführt.

Worum ging es bei der Schießerei am Vatertag diesen Jahres?

Die Schüsse auf dem belebten Frankfurter Platz am Himmelfahrtstag dieses Jahres sollen ebenfalls auf das Konto von Hells Angels gehen.  Hintergrund der blutigen Rocker-Fehde mit zwei Schwerverletzten am Vatertag war den Ermittlern zufolge ein Streit zwischen Frankfurter Hells Angels und einem rausgeworfenen Mitglied. Dieser soll einige Tage zuvor bei einem Streit in einem Luxushotel um Machtansprüche einem langjährigen Boss der Hells Angels die Nase gebrochen haben. Die Traditionalisten hätten mit den Schüssen ein Zeichen setzten wollen. Die Ermittler heben die Skrupellosigkeit hervor: Schüsse am helllichten Tag in der am sonnigen Vatertag belebten City. Seither sei es aber friedlich, ein möglicher Racheakt der Opfer Spekulation.

"Es ist für die Geschäfte schädlich, wenn laufend die Polizei auf der Matte steht", sagt Rocker-Experte Roth. Sind die Behörden der Entwicklung zu spät entgegen getreten? "Nein", sagt Rocker-Experte Roth. "Das Landeskriminalamt ist sehr gut informiert." Der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Ulf Küch, sagt: "Das ist eine von vielen neuen Herausforderungen für die Ermittlungsbehörden." Ein Mittel in Hessen sind mehr Kontrollen und Aufenthaltsverbote. (dpa)

Quelle: op-online.de

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