Yes in der Alten Oper Frankfurt

Pioniere des Progressive Rock

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Steve Howe ist das Kraftzentrum der Band.

Frankfurt -  Alles ein wenig aus der Zeit gefallen. Auch nicht immer ganz leicht verdaulich. Aber hoch spannend, sinfonisch, bombastisch. Und gern unverblümt psychedelisch. Von Peter H. Müller 

Yes, die legendären Großmeister des Progressive Rock, drehen in der Alten Oper noch einmal kräftig an der Uhr und reanimieren mit „Fragile“ (1971) und „Drama“ (1980) zwei ihrer besten Frühzeit-Werke. Dazu gibt es die unverzichtbaren Hommagen an verstorbene Band-Mitglieder, ein paar Klassiker – und schon zur Pause Fan-Ovationen.

Der ein oder andere Zug an einer lustigen Zigarette dürfte diesen Konzertgenuss wohl noch gesteigert haben. Vor allem mit Blick auf die halluzinogenen, von Lichtinstallationen umwölkten Hippie-Visuals, die da immer wieder über die Leinwand flimmern, und eingedenk all der vertrackten Rhythmik in diesem Artrock-Hochamt. Aber halt, keine Missverständnisse: Drogen sind nicht nur ungesund, sondern auch verboten. Also Finger weg!

Und Gitarren-Ikone Steve Howe, im April wackere 69 geworden, sieht eben nur deshalb so Lagerfeld-mäßig asketisch aus, weil er seit 40 Jahren vegetarisch lebt. Der Mann mit dem silbergrauen Pferdeschwanz ist immer noch so etwas wie das Kraftzentrum der britischen Rock-Giganten, die 24 Monate nach ihrer Welttour erneut für sieben Gigs in Deutschland aufschlagen. Allerdings hat sich seit 2014, davon erzählen bereits die Porträtbilder des „Onward“-Intros, leider wieder mal das Line-Up verändert: Gründungs-Bassist Chris Squire ist 2015 an Leukämie gestorben. Und natürlich erinnern die verbliebenen Yes-Helden auch genauso an Gitarrist Peter Banks (1947-2013), der mit „Time And A Word“ geehrt wird.

Tja, ein gutes Quantum Andacht schwingt schon mit in dieser ersten von knapp drei begeisternden Konzertstunden: Yes, angeführt von Sänger Jon Davison, der 2012 Jon Anderson abgelöst hat, arbeiten hier mit Songs wie „Machine Messiah“, „Into The Lens“, „Run Through The Light“ oder „Tempus Fugit“ mal eben das komplette „Drama“-Album ab – eine Reminiszenz an die erste wirkliche Band-Zäsur, weil 1980 sowohl Frontmann Anderson als auch Keyboard-Kreativkopf Rick Wakeman der Formation samt ihrem Richtungswechsel hin zu Rock-Themen (vorübergehend) den Rücken gekehrt hatten.

Heute sind da nun neben „Methusalem“ Howe und Youngster Davison noch Alan White (Drums), Geoff Downes (Keys) und Billy Sherwood (Bass, Vocals) am Werk, das erwartungsgemäß auch den einzigen US-Nummer-1-Hit der Band, „Owner Of A Lonely Heart“ (1983), zelebriert, bevor es schließlich zum ziemlich perfekt arrangierten „Fragile“ geht – einem veritablen Frühwerk von 1971.

Yes, das war und ist neben instrumentaler Brillanz und melodischer Komplexität auch immer eine Herausforderung für den Zuhörer. Das mag abseits der eingefleischten Fangemeinde nicht jedermanns Sache sein. Am Ende, nach der „Starship Trooper“-Zugabe, gibt’s denn auch für die Prog-Pioniere und ihre Gänsehaut-Messe frenetischen Applaus.

Quelle: op-online.de

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