Spieler halten die hessische Polizei auf Trab

Pokémon Go: Monsterjäger und Taschendiebe

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Jäger der verlorenen Monster: Wer sich die App Pokémon Go heruntergeladen hat, begibt sich nicht selten auf eine gefährliche Reise, die ihn Raum und Zeit vergessen lässt.

Frankfurt - Sie klettern auf Dächer, bremsen unvermittelt oder laufen unachtsam über rote Ampeln: Pokémon-Jäger halten auch die Polizei in Hessen in Atem. Von Ira Schaible 

„Die Leute denken überhaupt nicht mehr darüber nach, auf welchem Terrain sie sich bewegen“, sagt die Frankfurter Polizei-Sprecherin Virginie Wegner. „Wir wollen ihnen nicht den Spaß verderben.“ Aber: Wer bei der Suche nach den virtuellen Monstern mit dem Smartphone in fremde Grundstücke eindringe, müsse mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs rechnen. Wo auch immer ein Spieler bei Pokémon Go über seine Smartphone-Kamera ein virtuelles Monster entdeckt, gesellen sich schnell andere Jäger dazu – auch mitten in der Stadt. „Manchmal verschwinden dann Gruppen von bis zu 50 Personen mit ihren Nasen im Handy“, berichtet Wegner.

Vor allem aber steigen mit der Handy-Jagd auf Pikachu, Schiggy und Co. im wirklichen Leben die Unfallgefahren: „Ein Pokémon ist es doch nicht wert, das eigene Leben oder das Leben anderer aufs Spiel zu setzen“, mahnt Wegner. Die Fixierung auf das Smartphone nutzen zudem Kriminelle aus: Während der Monster-Jäger die wirkliche Welt um sich herum vergisst, klauen Trick- und Taschendiebe den Geldbeutel.

Nachfolgend einige besonders kuriose Einsätze:

FRANKFURT: Die Polizei stoppt in Frankfurt in der Nacht einen Wagen mit vier jungen Leuten, weil der Fahrer so auffällig fährt. Er bremst ohne Grund, beschleunigt abrupt und schlingert. An einer Ampel springt plötzlich sein Beifahrer heraus: Er will ein Pokémon fangen. Die anderen drei laden unterdessen ihre Smartphones weiter am Zigarettenanzünder des Autos. Auf die Frage der Beamten nach dem Ziel der Fahrt, heißt es: „Pokémon einfangen.“

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KASSEL: Mit ihren Autos blockieren Pokémon-Jäger den Verkehr in der Innenstadt. 400 Fänger der virtuellen Monster halten sich vor der zentral gelegenen Elisabeth-Kirche auf. Etwa 70 Autos stehen in zweiter Reihe oder im Halteverbot und es bilden sich längere Staus. Mit Lautsprecher-Durchsagen versuchen die Beamten die spielwütigen Falschparker zum Wegfahren zu bringen, es rücken jedoch sofort neue Parkplatz-Suchende nach.

HOMBERG (EFZE): Ein betrunkener Anwohner bedroht auf dem Marktplatz etwa 20 „Pokémon“-Fans mit einem Revolver. Er fühlt sich von den Monsterjägern belästigt und hat zunächst mit seinem Hund gedroht. Dann schwenkt er mit seiner Waffe aus dem Fenster des Obergeschosses und ruft: „Ich bin vorbereitet.“ Die alarmierten Polizisten stellten einen scharfen, ungeladenen Revolver und Munition sicher.

FRANKFURT: Drei „Pokémon-Go“-Fans klettern im Dunklen auf das zehn Meter hohe Dach eines Einkaufszentrums. Die 15 und 16 Jahre alten Jäger lösen damit einen Polizeieinsatz aus. Glücklicherweise fällt keiner vom Dach, aber die Jugendlichen werden wegen Hausfriedensbruchs angezeigt.

Auch der Fraktionschef der Landtags-FDP, Florian Rentsch, interessiert sich für die Auswirkungen des „wilden Umherirrens“ der „Pokémon“-Jäger auf Kirchen, Gedenkstätten und in der Natur. In einer kleinen Anfrage zur Pokémon-Jagd in Hessen geht es Rentsch neben den Gefahren im Straßenverkehr zudem auch um den Datenschutz, der viel zu kurz zu kommen scheint. (dpa)

"Pokémon Go": Irre Monsterjagd mit Suchtpotenzial

Quelle: op-online.de

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