Mord in Herborn

Angeklagter will Opfer nicht als Polizisten erkannt haben

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Die Tätowierung "ACAB" ("All cops are bastards") wird sichtbar, als sich der Angeklagte Patrick S. im Verhandlungssaal des Landgerichts auf die Anklagebank setzt.

Herborn/Limburg - Ein Schwarzfahrer wird erwischt, der Schaffner ruft die Polizei. Dann eskaliert an Heiligabend am Herborner Bahnhof die Situation, ein Beamter wird erstochen. Für seinen schwer verletzten Kollegen ist seitdem "nichts mehr wie es war".

Der mutmaßliche Polizistenmörder von Herborn will seine Opfer vor der Bluttat an Heiligabend 2015 nicht als Polizeibeamte erkannt haben. Er habe sich unvermittelt angegriffen gefühlt und um sein Leben gekämpft, ließ der 27-Jährige im Landgericht Limburg über seinen Anwalt erklären. Wegen früherer Verbindungen zur Rockerszene habe er solche Attacken befürchtet. Der Polizist habe sich nicht als solcher zu erkennen gegeben.

Der 27-Jährige soll an Heiligabend 2015 in einem stehenden Zug am Bahnhof Herborn in Mittelhessen unvermittelt zwei Beamte mit einem Messer angegriffen haben. Ein 46-Jähriger starb, sein ein Jahr älterer Kollege erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

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Der Angeklagte war laut seiner Erklärung nach einer durchzechten Nacht im Zug auf dem Weg nach Hause, er hatte auch Amphetamine genommen. Er bestritt heute, einen besonderen Hass auf Polizisten zu hegen. Ein Tattoo auf seiner Hand, das dies nahelegt, stamme aus der Zeit in der Rockerszene. Die Tätowierung lässt die Buchstaben ACAB erkennen - diese Parole steht für den Spruch "All Cops are Bastards" (Alle Polizisten sind Bastarde).

Der überlebende Beamte erklärte in seiner teils sehr emotionalen Zeugenaussage, dass er und sein Kollege Uniformen mit "Polizei"-Schriftzügen und Reflektoren trugen. "Ich mache den Job seit 27 Jahren, ich hatte noch nie das Problem, dass jemand mich nicht erkannt hat." Der Angreifer habe "hämisch gegrinst" und "wie eine Maschine" agiert. Dem 47-Jährigen war deutlich anzumerken, dass er bis heute erheblich unter den Folgen der Tat leidet. "Nichts ist mehr so wie vorher", sagte er um Fassung ringend. Das Opfer sei nicht nur sein langjähriger Kollege gewesen, sondern auch Freund und Nachbar. Der 47-Jährige hatte unter anderem einen Stich in die Schulter erlitten, der auch die Lunge verletzte.

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"Er hat sich solche Stellen ausgesucht, weil er wusste, dass einen dort die Schutzweste nicht schützt", sagte der Polizist. Sein Kollege und er "sollten nicht mehr heimkommen". Bei dem Einsatz trugen beide Beamte keine Schutzweste. In seiner Erklärung entschuldigte sich der 27-Jährige: "Es tut mir leid, was geschehen ist." Es wäre jedoch nicht soweit gekommen, wenn sich der 46-Jährige als Polizist zu erkennen gegeben hätte. Der Angeklagte war bei der Attacke durch zwei Schüsse aus einer Dienstwaffe verletzt worden. Der jüngere Beamte hatte sie abgefeuert kurz bevor er starb. (dpa)

Quelle: op-online.de

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