Bekannt wie ein bunter Hund:

Radiomoderator Werner Reinke wird 70 Jahre alt

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Noch lange kein Fall fürs Radio-Museum: Der Kultmoderator vor historischen Rundfunkempfängern im Foyer des Hessischen Rundfunks.

Frankfurt - Seine „Hitparade International“ war ein Straßenfeger, seine Erzählerstimme unverwechselbar und sein Comeback eine Überraschung: Werner Reinke ist der Inbegriff der fesselnden Musikmoderation. Von Detlef Kinsler 

Als Werner Reinke 2012 die Trophäe als „Bester Moderator“ von Fernsehkollege Johannes B. Kerner überreicht bekam, war der Trailer für seine Sendung beim Hessischen Rundfunk schnell gebastelt. Getreu dem Motto „Tue Gutes und rede drüber“ sollten seine drei Stunden nun immer mit dem Vorspann „Ausgezeichnet mit dem deutschen Radiopreis – hier ist Reinke am Samstag“ beginnen. „Es haben sich alle im Sender mit mir gefreut wie Bolle“, erinnert sich der Geehrte. Aber die Eigenwerbung wurde nur einmal ausgestrahlt. „Um Gottes Willen. Wir haben das sofort wieder abgeschafft“, lacht der gebürtige Delmenhorster. Selbstbeweihräucherung ist nicht sein Ding. „Ich achte eine solche Auszeichnung nicht gering, aber ich betrachte das auch nicht als Berechtigung, wie ein Gockel durch die Gegend zu laufen.“

Werner Reinke wuchs in Delmenhorst auf.

So wird er auch die nächste Huldigung gewohnt unaufgeregt entgegennehmen. Am Sonntag wird Werner Reinke 70. Urgestein, Rundfunklegende, wandelndes Musiklexikon, Kultmoderator – all das wird er wieder zu hören und zu lesen bekommen. Und darauf mit einem markigen „Geh’ mir vom Hof mit dem Scheiß“ reagieren. Dass Reinke bis auf Widerruf seit 2002 wieder auf Sendung ist, verdanken seine Fans einer Idee des damaligen hr3-Wellenchefs Jörg Bombach. Zum 30. Jubiläum trommelte der alle Ehemaligen zusammen. „Ich sollte für fünf Minuten in der Frühsendung auftauchen und mal erzählen, wie das früher so war.“ Reinke konnte sich für einen solchen „Quickie“ nicht begeistern.

Schließlich hatte er von 1974 bis 1989 allein die „Hitparade International“ 777 Mal moderiert, daneben auch „Pop und weck“, „Kuschelrock“ und „Die Mittags-Discotheke“. Dem sollte man schon gerecht werden. Also ließ man die „Mittags-Discotheke“ für vier Samstagnachmittage wiederaufleben. Mit dem jungen Kollegen Jürgen Rasper für schlagfertige Doppelmoderationen. „Da haben wir uns die Bälle hin und her gefeuert; und dann ging alles durch die Decke.“ Unzählige Anrufe und E-Mails erreichten den Sender. Einhellige Meinung: Der Reinke muss zurück in die Anstalt. Dabei hatte er mit dem Radio längst abgeschlossen. „Aber an solchen Reaktionen konnte keiner vorbeigehen.“ So wurde Reinke zum Rückkehrer.

1973 entstand dieses Foto des Moderators.

Nur wie sollte das gehen? Als Veranstaltungsmoderator und gefragte Stimme in der Werbung hatte er lange Zeit keine Popmusik konsumiert, wusste demnach nicht, was angesagt war. Also brauchte er einen „Mastermind“ und das wurde Lidia Antonini. Mit der Redakteurin verband ihn ohnehin eine lange berufliche und private Freundschaft. Seit 2006 sind sie verheiratet. Sie stellt ihm die Sendungen zusammen, er ist gern ihr „Mietmaul“, darf aber nach Herzenslust in den Fahrplan eingreifen. „Das funktioniert, weil wir beide vollkommen uneitel sind“, schwärmt er von der „wunderbaren Zusammenarbeit“.

Ina, Lena, a-ha, Jauch: Stars beim Radio Regenbogen Award

Nicht zuletzt in der Laudatio zum eingangs erwähnten Preis als „zart schmelzender Sprechbariton“ mit „Erzähltalent“ gewürdigt, nutzt er sein Radioformat, um Geschichten zu erzählen oder erzählen zu lassen. Dafür lädt er auch illustre Studiogäste ein, die dann obendrein live zur Gitarre oder in die Tasten greifen. „Ein absolutes Highlight war für mich die Sendung mit Klaus Voormann“, verrät Reinke. Der Berliner, der Bass für Manfred Mann spielte, das grandiose Cover der Beatles-CD „Revolver“ gestaltete, in John Lennons Plastic Ono Band spielte und viel später den Trio-Hit „Da da da“ produzierte, hatte gerade – mit 70! – sein erstes Soloalbum „A Sideman’s Journey“ veröffentlicht. Genug Stoff, um Radio jenseits datenbankgespeister Durchhörbarkeit zu gestalten. Reinke nimmt sich da alle Freiheiten. Und genau das schätzen seine Hörer, wirklich Musikinteressierte, von denen es tatsächlich mehr gibt, als gern suggeriert wird.

Quelle: op-online.de

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