Test-Projekte in Hessen

Rettungsplan für Notaufnahmen

Offenbach/Hanau - Der Druck wächst an vielen Kliniken: Auch im Rhein-Main-Gebiet melden sich immer mehr Patienten mit nur leichten Erkrankungen als Notfall, was Krankenhäuser oft ans Limit bringt. Von Peter Schulte-Holtey 

Krankenkassen setzen auf Rettungspläne, die Kassenärztliche Vereinigung in Hessen (KV) bereitet Pilotprojekte für eine Neuordnung vor. Experten haben die stetig wachsenden Probleme der Klinik-Notaufnahmen längst diagnostiziert: Unklare Sprechstundenzeiten und Anlaufstellen der niedergelassenen Ärzte, undurchsichtige Zuständigkeiten zwischen ambulantem und stationärem Notdienst sowie die Unsicherheit der Patienten sind die Hauptgründe dafür, dass immer mehr als Notfall die Klinik ansteuern. Viele erwarten in der Klinik aber auch eine schnelle und bessere Versorgung. Nach Aussagen von Ärzte- und Klinik-Organisationen könnten ein Drittel der Patienten bedenkenlos von niedergelassenen Ärzten behandelt werden, sie gehören also nicht ins Krankenhaus.

Krankenkassen, Ärzte und Politiker setzen jetzt auf einschneidende Reformen, um Kliniken vor dem Kollaps zu schützen. Der Ersatzkassenverband, zu dem unter anderem die Techniker Krankenkasse (TK), Barmer GEK und DAK-Gesundheit gehören, fordert die Einrichtung von Portalpraxen an allen Krankenhäusern. Dort sollen Patienten in einer festen Anlaufstelle zunächst einmal begutachtet werden. Damit soll abgeklärt werden, ob es sich um eine Bagatellerkrankung oder einen lebensbedrohlichen Notfall handelt. Je nach Dringlichkeit sollen die Patienten dann entweder an eine niedergelassene Arztpraxis oder in die ambulante Klinik-Notdienstpraxis, die auch außerhalb der Sprechstundenzeiten behandelt, beziehungsweise in die Notaufnahme weitergeleitet werden.

KV-Sprecher Karl Roth kündigt Tests mit Reformmodellen an. „Die Qualifizierung des nichtärztlichen Personals in den Dispozentralen des Bereitschaftsdienstes in Hessen ist außerordentlich hoch. Neuordnungen könnten sich an dieser Stelle durchaus an den Qualitätskriterien der KV orientieren“, sagt Roth. Die Zusammenarbeit der einzelnen Versorgungsebenen werde derzeit intensiv diskutiert; der Gesetzgeber sehe in den Portalpraxen einen sinnvollen Weg dazu. Der KV-Sprecher: „In Hessen laufen bereits intensive Überlegungen zu einer engeren Verzahnung, auch wenn das dann nicht unbedingt Portalpraxis heißen muss.“ Alsbald sollen erste Projekte vorgestellt werden. Am Offenbacher Ketteler Krankenhaus, das den Patientenstrom in der Notfallambulanz ebenfalls zu spüren bekommt, wird bereits gehandelt. Patienten, die keine akuten Notfälle sind, werden während der Öffnungszeiten an die im Haus befindliche Praxis für Allgemeinmedizin verwiesen.

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Quelle: op-online.de

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